Die Denisovaner gehören zu den rätselhaftesten Frühmenschen der Geschichte. Bisher wussten Wissenschaftler nur wenig über sie – denn es gab kaum fossile Überreste. Das ändert sich nun dramatisch.
In der sogenannten Bianfu-Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan haben Forscher einen wahren Schatz an Fossilien geborgen.
Die Funde umfassen vier Zähne, zwei Schädelfragmente und einen Teil einer Speiche – also eines Unterarmknochens.
Das macht die Bianfu-Höhle zur fossilreichsten Denisovaner-Fundstelle außerhalb der berühmten Denisova-Höhle in Sibirien, nach der diese Menschengruppe benannt ist.
Wie das Wissenschaftsmagazin scinexx meldet, bestätigten Proteomanalysen die Zugehörigkeit der Knochen zu den Denisovanern. Die sicher zugeordneten Fossilien stammen aus der Zeit vor etwa 167.000 bis 134.000 Jahren. Damit lebten Denisovaner über einen langen Zeitraum in dieser Region.
Die archäologische Abfolge der Höhle reicht sogar noch weiter zurück. Insgesamt decken die Kulturschichten ungefähr die Zeit von 190.000 bis 70.000 Jahren ab. Neben den menschlichen Fossilien fanden die Wissenschaftler auch 1.366 Steinwerkzeuge sowie zahlreiche Tierknochen.
Die Denisovaner jagten offenbar vorwiegend mittelgroße bis große Beutetiere und zerlegten diese in der Höhle. Ihre Werkzeuge waren dabei vergleichsweise einfach – sie schlugen Steine offenbar nach Bedarf ab, statt aufwendig standardisierte Geräte herzustellen.
Die Denisovaner lebten zeitgleich mit Neandertalern und dem anatomisch modernen Menschen. Genanalysen haben gezeigt, dass sie sich mit beiden Gruppen fortpflanzten. Ihre DNA findet sich noch heute in Menschen, besonders in Bevölkerungen Asiens und Ozeaniens.
Der Fund in der Bianfu-Höhle schließt eine wichtige geografische Lücke. Bisher kannte man Denisovaner-Fossilien aus Sibirien, Tibet und Südostasien.
Die neue Fundstelle in Yunnan verbindet diese Regionen und zeigt: Südwestchina war offenbar ein Zentrum dieser geheimnisvollen Menschengruppe.