Jan und Josef im Interview

"Rampensau trifft Backstreet-Boy": Amistat backstage

Die Musiker begeistern mit ihrem Indie-Folk längst Fans in ganz Europa. Im "Heute"-Talk zeigen die Zwillingsbrüder, wie sie abseits der Bühne ticken.
Anna Wallinger
27.08.2026, 06:00
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

It's a match! Jan und Josef Prasil könnten gleicher und unterschiedlicher kaum sein. Dabei wirken die Zwillingsbrüder vor allem eines: authentisch, bodenständig und nahbar. Mit Cap, Schnauzer und charmantem Lächeln berühren die beiden wohl nicht nur mit ihrer Musik das eine oder andere Herz. Und die kommt an: Als Amistat touren sie mittlerweile durch ganz Europa, auf Instagram folgen ihnen mehr als eine Million Menschen und auf Spotify kommen sie auf rund 946.000 monatliche Hörer.

Von Starallüren ist beim Treffen mit "Heute" trotzdem keine Spur. Die Brüder wirken bodenständig, entspannt und herrlich unkompliziert. Vielleicht fühlt sich das Interview auch deshalb schon nach wenigen Minuten weniger nach einem klassischen Frage-Antwort-Spiel und vielmehr nach einem Gespräch unter Freunden an. Im Herbst kommen die beiden Musiker aus Rosenheim für mehrere Konzerte nach Österreich und sorgen mit ihrem Folk-Indie-Sound für jede Menge Gefühle. 2027 wartet mit dem Frequency Festival in St. Pölten bereits der nächste große Auftritt im Land der Berge und Seen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Waldläufer trifft Meerjungfrauenmann

Dass Zwillinge nicht automatisch gleich ticken, wird bei Jan und Josef schnell klar. Während es Josef in die Berge und die Natur zieht, fühlt sich sein Bruder am Wasser besonders wohl. "Ich lebe auf jeden Fall gerne nahe den Bergen. Ich fühl mich auch eher als so ein Waldläufer", erzählt Josef und fügt lachend hinzu: "Jan ist eher so der Meerjungfrauenmann. Der mag das Meer schon sehr gerne."

Auch auf der Bühne hat Jan eine Eigenheit: Schuhe braucht er dort nicht unbedingt. "Das Barfußspielen ist mir von Australien noch so ein bisschen geblieben", erklärt er. "Barfuß spür ich einfach mehr. Mit Schuhen würde ich mich eher disconnected fühlen. Ich fühl mich einfach freier."

Trotz aller Unterschiede wissen die Brüder ziemlich genau, was sie aneinander haben. Josef beschreibt Jan als "Perfektionisten, Überdenker und Herzensmenschen". Jan wiederum sieht hinter der manchmal raueren Fassade seines Bruders vor allem eines: "Josef ist ein unfassbar lustiger Mensch. Er hat eine harte Schale und einen sehr weichen Kern." Eine Eigenschaft teilen sie ohnehin: "Wir sind beide Herzensmenschen. Ich glaube, das haben wir von unseren Eltern mitbekommen."

"Social Media kann unfassbar toxisch sein"

Während Amistat auf der Bühne gemeinsam auftreten, herrscht hinter den Kulissen klare Arbeitsteilung. Um Instagram und Co. kümmert sich vor allem Jan. Josef hält sich davon lieber fern: "Ich wüsst auch gar nicht, wie man etwas postet", scherzt er.

Ganz unkritisch sehen beide die sozialen Netzwerke ohnehin nicht. Zwar sei Social Media ein "mega Tool", um als Künstler gesehen zu werden und Kreativität zu teilen, gleichzeitig sieht Josef eine Schattenseite: "Man kommt halt auch nicht drum herum, sich zu vergleichen, und das zieht einen oft schnell runter."

Jan kennt dieses Gefühl nur zu gut. Gerade für Künstler sei der ständige Blick auf Klicks, Views und Reaktionen eine Belastung. "Man bekommt durch Social Media immer wieder diese Peitsche der Bewertung zu spüren", sagt er. Zudem werde online häufig ein verschobenes Bild der Realität vermittelt.

Dass er selbst noch ohne Smartphone-Dauerbeschallung aufgewachsen ist, sieht Jan heute als Glück: "Ich bin mega froh, ohne Social Media und Internet groß geworden zu sein." Besonders die Auswirkungen auf Jugendliche würden seiner Meinung nach unterschätzt.

Ein Amistat-Song auf Deutsch? Eher nicht

Bei der Musik sind die Brüder naturgemäß voll in ihrem Element. Einen einzigen Lieblingssong aus dem eigenen Repertoire zu nennen, fällt allerdings schwer. Jans aktuelle Favoriten sind "Listen to the Silence" und "Stranger". Josef schwärmt ebenfalls von "Stranger", hat derzeit aber auch "Light Up" besonders gern.

Privat darf es musikalisch durchaus abwechslungsreicher werden. Während Jan aktuell unter anderem Mumford & Sons und Phoebe Bridgers hört, überrascht Josef mit einem breiten Mix: "Ich hör schon auch mal Justin Timberlake, Eminem oder Ghetto aus den 90ern."

Wer nun auf einen deutschsprachigen Amistat-Song hofft, dürfte allerdings enttäuscht werden. Jan fühlt sich beim Singen auf Deutsch schlicht nicht wie er selbst. "Jedes Mal, wenn ich Deutsch singe, ist es sehr befremdlich für mich", verrät er. Sein Fazit fällt entsprechend eindeutig aus: "Einen deutschen Song für Amistat wird es wahrscheinlich nicht geben."

So denken die Brüder über die große Liebe

Romantisch wird es, als das Gespräch auf die Liebe kommt. An die eine einzige, vom Schicksal vorherbestimmte Person glaubt Josef zwar nicht – an eine Liebe fürs Leben dafür sehr wohl.

"Ich glaube, dass es eine Liebe gibt, die für immer halten kann", sagt er. Die Vorstellung, dass unter Milliarden Menschen nur ein einziger perfekter Partner existiert, sieht er pragmatischer: "Es gibt wahrscheinlich 100.000 auf der Welt, aber die lernt man halt nicht kennen." Entscheidend sei, jemanden zu finden, mit dem es wirklich passt und mit dem man im besten Fall eine Familie gründet.

Jan sieht das ähnlich, fügt aber einen entscheidenden Punkt hinzu: Eine langfristige Beziehung funktioniert für ihn nicht allein durch Gefühle. "Wenn man diese Person gefunden hat, kommt es ganz stark auf die tägliche Entscheidung für diesen Menschen an." Liebe sei damit auch etwas Aktives: "Das ist eine bewusste Entscheidung und auch Arbeit, glaube ich."

Rampensau und "Backstreet-Boy"

Und wer von beiden ist eigentlich der größere Entertainer? Zumindest für Josef ist die Rollenverteilung eindeutig: "Ich denk von mir selber schon, dass ich so ein bisschen eine Rampensau bin." Für seinen Bruder hat er dagegen eine ganz andere Beschreibung parat: Jan sei "der schüchterne Backstreet-Boy von nebenan".

Genau diese Mischung scheint Amistat auszumachen: zwei Brüder, die sich ähnlich genug sind, um gemeinsam Musik zu machen – und unterschiedlich genug, um sich dabei perfekt zu ergänzen. Österreich freut sich also auf euch!

Tickets für ihre Konzerte gibt es bei den gängigen Ticketanbietern oder auf ihrer Webseite: https://www.amistatmusic.com/

{title && {title} } wall, {title && {title} } 27.08.2026, 06:00
Weitere Storys