Wenn Eltern noch um 23.47 Uhr in der WhatsApp-Gruppe über Bleistifte diskutieren und beim Diktat gefühlt schon der Anwalt mitliest, ist Andreas Ferner in seinem Element. Der Wiener Lehrer und Kabarettist nimmt in seinem neuen Programm "Bro-Fessor, checkst du!?", das am 28. Oktober Premiere im Orpheum in Wien feiert, den ganz normalen Schulwahnsinn auseinander – und bekommt dafür reichlich Anschauungsmaterial aus dem echten Leben.
Seit 1999 unterrichtet Ferner, 25 Jahre lang stand er parallel dazu im Klassenzimmer und auf der Kabarettbühne. Seit zwei Jahren ist er als Lehrer in Karenz ohne Bezüge und konzentriert sich ganz aufs Kabarett. An Stoff mangelt es trotzdem nicht. "Heute" hat sich mit dem 52-Jährigen getroffen.
Diesmal hat sich der "Fessor" vor allem die moderne Erziehung vorgenommen. Oder vielmehr das, was Ferner für deren Gegenteil hält. "Dieses Mal geht es sehr stark um die heutige Nichterziehung durch die Eltern", erzählt er. Gemeint sind jene Mamas und Papas, "die ihre Kinder quasi zu Tode streicheln und versuchen, ihnen jeden Frust zu ersparen".
Aus den berüchtigten Helikopter-Eltern seien längst "Rasenmähereltern" geworden: Hindernisse werden aus dem Weg geräumt, bevor der Nachwuchs überhaupt darüber stolpern könnte. Ferner sieht das kritisch: "Natürlich ist das für die Entwicklung der Jugendlichen sehr fatal, weil man ihnen dadurch wichtige Lernerfahrungen nimmt."
Wie absurd das werden kann, überspitzt er auf der Bühne gerne. Einer seiner Schmähs: "Mein Sohn ist laktoseintolerant. Kann man das bei der Notengebung berücksichtigen?"
Ein weiterer unerschöpflicher Quell der Freude: Eltern-WhatsApp-Gruppen. "Andere sammeln Briefmarken, ich sammle Eltern-WhatsApp-Nachrichten", scherzt Ferner. "Früher hat man den Lehrer angerufen. Heute diskutiert die Elterngruppe um 23.47 Uhr noch darüber, ob der Bleistift wirklich ein Bleistift sein muss oder auch ein Buntstift geht."
Seinen Stoff holt sich der Kabarettist längst nicht mehr nur aus der eigenen Schulzeit. "Meinen Stoff ziehe ich aus meinen 25 Jahren Erfahrung und aus den Geschichten, die mir die Menschen nach meinen Kabarettvorstellungen erzählen." Auch über Social Media trudeln regelmäßig neue Schul-Anekdoten ein. Und selbst ehemalige Schüler lieferten freiwillig Material: "Ganz oft haben mir Schüler die Erlaubnis für mein Kabarett erteilt und gesagt: ,Herr Professor, das können Sie verwenden.‘"
Für Ferner ist die Bühne dabei auch eine Art Lehrer-Therapie. "Kabarett ist einfach ein super Ventil für den schulischen Stress", sagt er. Gerade die Situationen, über die man sich im ersten Moment besonders ärgere, würden später oft zu den besten Nummern.
Und offenbar wirkt die Therapie nicht nur beim "Fessor" selbst. "Ich glaube, dass meine Programme nicht nur Therapie für mich sind. Ich glaube einfach, dass Lachen die beste Medizin ist." Dass Lehrer, Eltern und Schüler gleichermaßen zu seinen Vorstellungen kommen, dürfte ihm recht geben.
Mit "Bro-Fessor, checkst du!?" präsentiert Ferner bereits sein sechstes Soloprogramm. Die Vorpremieren starten am 4. September, die große Premiere steigt am 28. Oktober 2026 im Wiener Orpheum. Regie führt Marion Dimali.