Vier Tage vor dem ersten WM-Spiel ist die Tinte also trocken. ÖFB-Coach Rangnick verlängerte seinen nach dem Mega-Turnier in den USA, in Kanada und Mexiko auslaufenden Vertrag bis Jahresende 2027. Sollte die Qualifikation für die EM 2028 gelingen, gilt der Kontrakt dann bis zu diesem Turnier. Der 67-jährige Deutsche hatte das Traineramt in Österreich 2022 übernommen.
Mit der Verlängerung ging ein monatelanger Poker zu Ende, in dem der ÖFB eigentlich versucht hatte, noch vor der Abreise zum Teamcamp in die USA Nägel mit Köpfen zu machen, legte zuletzt bereits einen unterschriftsreifen Vertrag vor. Doch der italienische Topklub AC Milan funkte dazwischen. Rangnick verhandelte, stellte Bedingungen und wartete auf eine Antwort der "Rossoneri". Die war vorerst ausgeblieben. Rangnick wollte nicht mehr warten und beendete die Verhandlungen.
Um danach beim ÖFB zu verlängern. Sein deutliches Gehalts-Plus – Rangnick soll nun rund zwei Millionen Euro netto verdienen – stemmen vier Sponsoren: UNIQA, Raiffeisen, IMMOunited und Sporteo. Sie sollen rund die Hälfte des Rangnick-Salärs übernehmen.
"Ich habe von Anfang an gesagt, dass es eine Grundsatzentscheidung ist, wo auch viele Faktoren für mich eine Rolle gespielt haben – auch, wer von meinem Trainerstab noch zur Verfügung steht. Alles, was passiert ist in den letzten Jahren, ist zumindest zu 50 Prozent die Leistung meines Stabes", erklärte der ÖFB-Teamchef seine Entscheidung für den ÖFB, das sei auch an den Verlängerungen mit seinen Co-Trainern gelegen. Personalfragen um seine Assistenten Stefan Oesen, Onur Cinel und Lennart Coert seien geklärt. "Deshalb kann ich jetzt hier sitzen und mit einem richtig guten Gefühl sagen: Es ist die richtige Entscheidung, nach der WM verantwortlich zu bleiben."
Auf das Milan-Interesse wollte der Deutsche nicht zu sehr eingehen: "Es ist kein Geheimnis, dass es vor drei Wochen eine Kontaktaufnahme gegeben hat. Dass es durchaus reizvoll sein kann für mich, bei diesem Projekt dabei zu sein", sagte der 67-Jährige, betonte dann aber: Er habe stets Klarheit vor dem WM-Start haben wollen – "für die Mannschaft, für Österreich, für den ÖFB, für meine Spieler". Vonseiten Milans hätte es eben "nach wie vor keine Klarheit" gegeben. Letztendlich seien es mit dem ÖFB "gute, vertrauensvolle Gespräche" gewesen. Forderungen habe er aber nie gestellt, weder beim österreichischen Verband, noch beim AC Milan. Es habe den ÖFB aber sofort bei der Kontaktaufnahme Milans informiert.
"Ich weiß noch nicht so lange, dass mit meinen Mitarbeitern alles klar ist. Bevor ich mich entschieden habe, musste klar sein, dass meine Mitarbeiter zufrieden an Bord sind. Das weiß ich noch nicht seit zwei Wochen. Das ist auch eine Sache der Fairness gegenüber meiner Mitarbeiter", erklärte Rangnick weiter. Wichtig seien aber auch Gespräche mit einigen Spielern gewesen. "Mir war wichtig, wie sie selbst ihre Zukunft sehen", meinte der Deutsche. Die Spieler waren aber auch erst am Ende der Trainingsvorbesprechung um 10.30 Uhr Ortszeit in Santa Barbara über Rangnicks Verlängerung informiert worden. "Die Spieler haben sich nicht so sehr damit beschäftigt", meinte der ÖFB-Coach.
"Wenn ich mich nicht grundsätzlich wohlfühlen würde, dann würde ich hier seit zwei Jahren nicht mehr sitzen. Mir liegt das ganze hier am Herzen", erklärte Rangnick dann mit Blick auf Interessenten, die immer wieder angeklopft hatten – etwa Bayern München vor zwei Jahren. Gleichzeitig wolle der Deutsche auch abseits des Fußballplatzes weiter in die Zukunft schauen: bei der täglichen Turnstunde in Schulen, bei der Frage eines Nationalstadions. Aber auch im generellen Fußballbereich des Landes.