Rapid-Star Kara: "Zog aus, um meine Eltern zu schützen"

Ercan Kara drückt der Liga seinen Stempel auf.
Ercan Kara drückt der Liga seinen Stempel auf.GEPA
Im Jänner 2020 heuerte "No-Name" Ercan Kara bei Rapid an. Zwölf Monate später ist er ein Liga-Star. "Heute" bat den Torjäger zum Interview. 

Ercan Kara ist ein grün-weißer Glücksgriff. Vor zwölf Monaten um 200.000 Euro von Horn geholt, ist der Stürmer nicht mehr aus der Rapid-Elf wegzudenken. Mit sechs Liga-Toren führt der 25-Jährige die interne Schützenliste an. "Heute" sprach mit dem Spätberufenen über seine Leistungen, den plötzlichen Promi-Status, Wechsel-Gerüchte und die Frage, ob er für Österreich oder die Türkei auflaufen möchte. 

Herr Kara, Sie spielen seit einem Jahr bei Rapid. Haben Sie sich erträumt, dass Sie so schnell zu einem derart wichtigen Spieler werden?

"Es war natürlich ein Ziel von mir, dass ich Stammspieler von Rapid werde. Ich habe hart dafür gearbeitet. Dass es so schnell so gut läuft, habe ich aber selbst nicht gedacht."

Im letzten "Heute"-Interview vor der Saison haben Sie erzählt, dass Sie noch bei Ihren Eltern wohnen. Hat sich in dieser Hinsicht etwas verändert, seit Ihr Bekanntheitsgrad gestiegen ist?

"Ja, es hat sich einiges geändert. Ich wohne jetzt alleine. Corona hat uns alle in der Familie sehr beschäftigt. Meine Eltern sind nicht mehr die Jüngsten, ich bin also auch ausgezogen, um sie zu schützen. Und um professioneller zu werden und eigenständiger zu leben."

Wie fühlt es sich an, "über Nacht" prominent zu sein? Genießen Sie das – oder gibt es auch Schattenseiten?

"Nein, es ist schon etwas Schönes. Ich habe schon öfter erlebt, dass mich Leute auf der Straße aufgehalten haben oder sogar vor der Haustüre gestanden sind. Es ist schön, von Fans erkannt zu werden und ihnen mit einem Foto eine Freude zu machen. Mir gefällt das, ich genieße es."

Sie haben der Liga Ihren Stempel aufgedrückt und führen einige Statistiken an. Sie haben in dieser Saison die meisten Schüsse abgegeben, nämlich 54 – mehr als Salzburg-Star Koita. Warum kommen Sie so oft zum Abschluss?

"Ich denke, wir spielen als Mannschaft einfach gute Chancen heraus. Ich werde von meinen Kollegen oft in eine gute Position gebracht. Ich bin hungrig, will so oft wie möglich vor dem Tor auftauchen. Das ist meine Stärke. Man muss natürlich auch sagen: 54 Schüsse klingt gut. Aber wenn man betrachtet, dass ich nur sechs Treffer erzielt habe, sieht man, dass ich daran arbeiten kann."

Auch interessant: Kein Spieler ist öfter gefoult worden als Sie. Sind Sie nur mit unfairen Mitteln vom Ball zu trennen?

"Ich bin ein robuster Spieler, deshalb ziehe ich oft Fouls."

Mit 27 Fouls führen Sie auch das Ranking der begangenen Fouls an.

"Das ist kurios. Als Stürmer ist es nicht typisch. Aber weil ich meinen Körper intensiv einsetze und sehr kämpferisch bin, kommt das wohl zustande. Es sind sicher keine groben Fouls gewesen. Unser Trainer hat uns übrigens erzählt, dass wir die Mannschaft mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen sind."

Sie sind ein Spätberufener, haben "erst" mit 24 den Durchbruch geschafft. Muss es daher jetzt umso schneller in Ihrer Karriere gehen? Stichwort Wechsel-Gerüchte.

"Ja, ich bin ein Spätstarter, aber ich habe es nicht eilig. Ich genieße den Moment. Ich bin froh, dass ich jetzt bei Rapid spiele und es für mich und uns gut läuft. Ich mache mir keinen Druck. Ich bin jetzt 25, das heißt, es liegen noch zehn schöne Jahre vor mir. Vielleicht auch mehr. Man sieht es bei Zlatan Ibrahimovic, der spielt mit bald 40 noch auf höchstem Level. Ich denke, es kommen noch bessere Jahre auf mich zu, denn ein Stürmer mit meinen Anlagen wird wahrscheinlich mit der Routine und dem Alter noch besser."

Was die meisten Rapid-Fans interessiert: Können Sie garantieren, dass Sie zumindest bis Sommer noch bei Rapid spielen?

"Ich habe mit Rapid noch Ziele, die ich erreichen will. Ich bin glücklich hier. Im Fußball kann es zwar bekanntlich schnell gehen, aber ich hoffe, dass wir als Rapid-Familie noch schöne Dinge erleben."

Im Idealfall vermutlich den Meistertitel. Ist der in der Kabine ein Thema?

"Es sind noch 20 Spiele, es ist noch sehr viel drin. Aber wir werden alles rausholen. Abgerechnet wird am Ende der Saison."

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Taxi Fountas beschreiben? Der Streit um den Ball im Cupspiel gegen Salzburghat viele Spekulationen ausgelöst.

"Taxi hat sehr gute Qualitäten. Er ist sehr wichtig für unser Spiel. Wir wollen beide unbedingt Tore schießen, das ist eine gute Eigenschaft. Wir wollen beide unserer Mannschaft helfen. Wir spielen uns ja auch oft die Bälle zu. Wir verstehen uns gut. Dinge wie in Salzburg passieren im Fußball einfach, da steckt nicht viel dahinter."

Rapid trifft zum Auftakt am 22. Jänner auf Sturm. Die Grazer sind heimlicher Tabellenführer. Überrascht Sie das?

"Als wir in Graz gespielt haben, hat man schon gesehen, dass sie richtig stark sind. Jetzt müssen sie aber zu uns ins Allianz Stadion kommen. Wir haben auch unsere Qualitäten, wollen die drei Punkte bei uns behalten."

Thema Nationalteam: Ist die EM-Teilnahme für Sie ein Ziel, gab es mit Teamchef Franco Foda Kontakt?

"Mit Foda direkt nicht, aber vom ÖFB habe ich einen Anruf bekommen. Ich schaue jetzt mal auf die Meisterschaft. Was dann in der Länderspielpause passiert, werden wir sehen. Ich habe mich jedenfalls sehr über den Kontakt gefreut. Das ist eine Bestätigung für mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin."

Wollen Sie definitiv für Österreich spielen, oder könnte es doch noch die Türkei werden?

"Dazu kann ich mehr sagen, wenn es eine Einberufung geben sollte. Jetzt steht einmal Rapid im Vordergrund."

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