Seit Jahren sorgen große Taubenschwärme und eine steigende Rattenpopulation rund um den Leopoldauer Platz in Wien-Floridsdorf für Beschwerden von Anrainerinnen und Anrainern. Vergangene Woche kamen deshalb Bezirkspolitik und zuständige Magistratsabteilungen zu einem Gipfel zusammen.
Laut Bezirksvorstehung soll eine Person im angrenzenden Karl-Seidl-Park regelmäßig große Mengen Vogelfutter ausbringen. Dadurch seien neben den Tauben in den vergangenen Monaten auch vermehrt Ratten angelockt worden, berichtet der ORF.
Viele Bewohner befürchten hygienische und gesundheitliche Probleme. Bereits aufgestellte Rattenboxen hätten bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Als erste neue Maßnahme wurde nun ein rund 1,20 Meter hoher Zaun errichtet.
"Der ist dort auf einer sehr, sehr langen Länge errichtet worden, um eben den Zugang von genau dieser Seite, wo gefüttert wird, zu erschweren", sagte der Floridsdorfer Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ) gegenüber Radio Wien. Zusätzlich sind im betroffenen Bereich nun häufiger Waste Watcher unterwegs. Sie sollen gegen exzessives Füttern vorgehen und bei Verstößen Strafen zwischen 36 und 200 Euro verhängen.
Auch weitere Rattenköderboxen wurden aufgestellt. "Denn durch engagierte Bewohnerinnen und Bewohner rund um den Leopoldauer Platz, die mithelfen das Futter auch wieder wegzuräumen, werden jetzt die Köderboxen wieder angenommen", erklärte Papai. Sollten die Maßnahmen nicht ausreichen, könnten sie künftig noch angepasst werden, kündigte der Bezirkschef an.
Während in Floridsdorf gegen die Folgen der Fütterungen vorgegangen wird, läuft in Wien gleichzeitig eine Debatte über den Umgang mit Stadttauben. Die Bürgerinitiative Arbeitsgruppe Tauben Wien und die Initiative "Keine Tauben Ohren" (KTO) haben Anfang Juni eine Petition gestartet – "Heute" berichtete.
Sie fordern mehr Rechtssicherheit für ehrenamtliche Taubenbetreuerinnen und -betreuer sowie eine Lockerung der geltenden Regeln zur Taubenfütterung. Nach Angaben der Initiatoren wurde die Petition bereits rund 600 Mal unterzeichnet.
Hintergrund ist das Wiener Reinhaltegesetz. Zwar gibt es in Wien kein generelles Verbot, Tauben zu füttern. Das Gesetz untersagt jedoch die Verunreinigung öffentlicher Flächen. Das Ausbringen von Futter kann deshalb als Verwaltungsübertretung gewertet werden.
Laut der Petition seien in den vergangenen Monaten vermehrt Menschen mit Verwaltungsstrafen konfrontiert worden, weil sie Stadttauben gefüttert hätten. Damit prallen derzeit zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander: Während Anrainer und Bezirk gegen die Folgen massiver Fütterungen kämpfen, fordern Tierschutzinitiativen mehr Freiraum für die Betreuung der Stadttauben.