"Des is ja Wahnsinn", schüttelte die Richterin am Wiener Landesgericht den Kopf. Ein 55-jähriger Ex-Soldat aus Polen stand am Mittwoch wegen illegalen Waffenbesitzes und Tierquälerei vor Gericht. Der arbeitslose Ex-Soldat soll vom Balkon seiner Wohnung in Wien-Fünfhaus auf zumindest eine Taube geschossen haben.
Ein Nachbar will einen großgewachsenen Mann in einem roten Pullover über den Innenhof dabei beobachtet haben, wie er mit einem Gewehr auf Tauben zielte und rief die Polizei. "Er hat angelegt und zack, die Taube abgeschossen", schilderte der Zeuge.
Die WEGA rückte zur Wohnung des ehemaligen Militärpiloten aus Polen an und traf ihn – wie könnte es anders sein – in einem rötlichen Pullover an. Zufälligerweise fand bei ihm am Bett eine Langwaffe mit dazugehörender Munition.
"Die Waffe habe ich von meinem Onkel geerbt, aber ich habe nie damit geschossen", beteuerte der einschlägig wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Angeklagte – gegen den übrigens bereits seit 2011 ein Waffenverbot besteht. Dennoch erklärte sein Verteidiger Michael Babic. "Mein Mandant ist kein Tierquäler. Er würde so etwas nie machen."
Das stieß bei der Richterin aber auf taube Ohren, sie las vielmehr dem Angeklagten die Leviten: "Sie schießen mitten in einem Wohngebiet in die Luft. Gut, dass man Ihnen die Waffe abgenommen hat. Auch wenn Sie sagen, Sie waren es nicht." Ihr Urteil: schuldig, 8 Monate bedingte Haft und 1.080 Euro Geldstrafe – nicht rechtskräftig.