Mit der Regelrevolution stürzte Red Bull ins graue Mittelfeld der Formel 1 ab. Anstatt um WM-Titel zu fahren, duelliert sich der österreichische Rennstall mit Superstar Max Verstappen mit den Nachzügler-Teams Alpine und Haas. Das Auto der "Bullen" ist so langsam wie schon lange nicht mehr – das beweist auch ein Blick in die Statistiken. Und: Dem Team droht eine düstere Zukunft – den Rückstand aufzuholen, könnte einige Jahre dauern.
Nach drei Rennwochenenden stehen die Bullen mit nur 16 Punkten da – gleichbedeutend mit Rang sechs in der Konstrukteurs-WM. Zwar war intern klar, dass der erste eigene Motor für einen holprigen Beginn in die neue F1-Ära sorgen könnte, doch das Ausmaß der Krise überrascht selbst im Team.
Die Zahlen sind alarmierend: Im Qualifying fehlen im Schnitt 0,97 Sekunden auf die Spitze, im Rennen sogar 1,26 Sekunden pro Runde auf Mercedes. Damit ist der RB22 das langsamste Red-Bull-Auto seit elf Jahren. Zuletzt war das Team 2015 ähnlich weit weg von der Spitze – mit dem Fahrer-Duo Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat. Damals fehlten im Qualifying im Schnitt 1,18 Sekunden auf Mercedes. Im Rennen waren es 0,83 Sekunden auf die Silberpfeile.
Ein Blick in die Vergangenheit macht wenig Hoffnung für die kommenden Monate: Nach der Regelrevolution 2014 dauerte es ganze sieben Jahre, bis Red Bull wieder am WM-Thron saß. Erst 2019 schrumpfte der Rückstand deutlich. Heißt im Klartext: Der Weg zurück an die Spitze könnte ein steiniger werden.
Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass es Unterschiede zu den damaligen Umständen gibt: Während man früher vom Renault-Motor abhängig war, hat Red Bull jetzt mit eigener Powertrain-Abteilung alles selbst in der Hand. Und der neue Motor scheint gar nicht die größte Baustelle zu sein. Beim Topspeed kann Red Bull sogar mit Ferrari mithalten und ist teilweise schneller. Die Probleme liegen woanders – vor allem in den Kurven. Dort fehlt dem RB22 der nötige Abtrieb, besonders in schnellen Passagen wird das deutlich.