Rund 740 Millionen Euro erlöst der ORF jährlich aus der Fernsehgebühr. Wie ausführlich berichtet, muss jeder Haushalt 183,60 Euro entrichten.
Aktuelle Zahlen der Medienregulierungsbehörde RTR zeigen nun: Darüber hinaus ist der ORF mit 10,4 Millionen Euro in nur sechs Monaten auch der größte Profiteur von Einbuchungen seitens der öffentlichen Hand – in der Berichterstattung des Senders gerne als "Regierungsinserate" bezeichnet. Im "Krone"-Verlag mit der weitaus größten Tageszeitung wurde um 4,6 Millionen Euro geworben.
Unter "öffentlichen Stellen" sind Buchungen von Bundesregierung, den neun Landesregierungen, Kammern sowie teilstaatlichen Unternehmen und Körperschaften zusammengefasst.
Ins Auge stechen auch 2,7 Millionen Euro, die beim "Standard" ausgegeben wurden. Damit kommt das lachsrosa Bronner-Blatt (76.859 Stück verbreitete Auflage) auf deutlich mehr Steuergeld als die weitaus auflagen- und leserstärkeren Titel "Heute", oe24 oder etwa auch der Presse-Verlag (verbreitete Auflage "Presse": 76.028 Stück), der sich wie der "Standard" im Qualitätssegment sieht und fast eine Million Euro weniger erhielt.
Medienminister Andreas Babler (SP), der bekanntlich als Vizekanzler abtreten muss und sich als Medienopfer sieht, hatte angekündigt: "Das unkontrollierte Hinausschießen von Inseraten habe ich beendet." Nun ja: Sein Ministerium wendete für Werbeeinschaltungen exakt 523.674 Euro im ersten Halbjahr auf – mehr als doppelt so viel wie etwa das Innenministerium.
Eine neue Zustellförderung, die Bablers Ressort konzipiert hat, soll ebenfalls nur Kauf-Tageszeitungen – wie etwa den "Standard" – unterstützen, der zusätzlich neben Öffi-Inseraten auch schon Presseförderung kassiert. Aus 8 von 9 neun Bundesländern und der Bundeswettbewerbsbehörde kam ein Veto dagegen. Die Verhandlungen innerhalb der Koalition laufen.
Problematisch auch: Auch die öffentlichen Stellen ließen in nur sechs Monaten 14,6 Millionen Euro Steuergeld an die Tech-Giganten Google und Meta abfließen, die kaum Steuern in Österreich bezahlen.
Im "Heute"-Print-Verlag AHVV, der Wiens größte Tageszeitung herausgibt, wurde um 2,2 Millionen Euro geworben, in der Digitalgesellschaft DJ Digitale Medien GmbH um 770.000 Euro.