Flugzeug-Treibstoff aus Paradeisern? Was wie ein Scherz klingt, ist ein ernst gemeintes Forschungsprojekt der TU Graz. Gemeinsam mit Partnern aus sieben Ländern will das Institut für Chemische Verfahrenstechnik aus Tomatenabfällen nachhaltigen Flugkraftstoff produzieren.
Hintergrund der Idee: Beim Paradeiser-Anbau bleibt jede Menge übrig - von Stängeln über Blätter bis zu schrumpligen Früchten. Bisher wurden diese Reste entsorgt oder verbrannt. Jetzt sollen sie Flugzeuge zum Abheben bringen.
"Aus den Rückständen der Tomatenverarbeitung ließen sich rund drei Prozent des europäischen Flugkraftstoff-Bedarfs für 2030 decken", erklärt Projektleiterin Marlene Kienberger.
In der neuen Bioraffinerie sollen wertvolle Paradeiser-Abfälle so aufbereitet werden, dass Mikroorganismen daraus Lipide produzieren - fettähnliche Stoffe, die dann zum Flugbenzin veredelt werden.
Zum Einsatz kommen zwei Verfahren: die sogenannte Extrusion, bei der die Biomasse durch Druck und Temperatur aufgebrochen wird, und die hydrothermale Verflüssigung - da entstehen Bioöl und Biokohle. Das Bioöl muss noch gereinigt werden, bevor es an der Montanuni Leoben zum fertigen Treibstoff verarbeitet wird.
Elf Partner sind am EU-Projekt "ToFuel" beteiligt, darunter auch die TU Wien, die Uni Zagreb, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie Paradeiser-Riesen wie Mutti und Podravka. Neben Forschung und Entwicklung sollen auch Dutzende Studenten im Rahmen des 3,5-Millionen-Euro-Projekts ausgebildet werden.
Fakt ist: Fliegen mit Paradeisern? Wenn’s nach der TU Graz geht, könnte bald jeder Start ein bisschen nachhaltiger - und roter - sein.