Überraschend hat US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe mit dem Iran verlängert – auf unbestimmte Zeit. Er werde die Feuerpause so lange verlängern, bis der Iran einen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts vorlege, erklärte der MAGA-Anführer am Dienstag kurz vor Ablauf seines ursprünglichen Ultimatums auf seiner Onlineplattform. Weiterhin bestehen bleiben soll die US-Blockade für iranische Schiffe in der Straße von Hormus.
Nachdem seinen absurden Drohungen ("Zivilisation wird auslöschen") nicht gefruchtet haben, schlägt Trump nun wieder etwas mildere Töne an. Das könnte zwar die Chancen erhöhen, dass die Führung in Teheran zurück an den Verhandlungstisch kommt, wird alleine aber nicht ausreichen, sagt Iran-Korrespondentin Rosa Lyon im Ö1-Morgenjournal.
"Die Lage im Iran ist höchst angespannt. Und jene Kräfte, die auf Deeskalation setzen, scheinen derzeit eher nicht das Heft in der Hand zu haben. Eine reine Tonänderung reicht definitiv nicht", so die ORF-Reporterin. Teheran schaue dabei auf zwei Dinge: Bleiben die USA bei Drohungen? Bietet Trump einen realistischeren Deal mit klaren Gegenleistungen?
Auf Druck reagiere die iranische Führung zwar oftmals mit Trotz, kehre aber dennoch immer wieder an den Verhandlungstisch zurück – obwohl die USA schon zwei Mal (Juni '25, Februar '26) mitten in Verhandlungen zu Bomben begonnen haben.
"Weniger aggressive Rhetorik kann für den Iran die innenpolitischen Kosten eines Einlenkens senken, weil dann das Wort 'Kapitulation' nicht so naheliegt. Nach einem Aufgeben darf es keinesfalls aussehen", erklärt Lyon die Sicht des Mullah-Regimes. Für eine diplomatische Einigung bräuchte es wohl sehr viel Kompromissbereitschaft, aber "die scheint dieser Tage auf beiden Seiten nicht ausgeprägt zu sein."
Was spielt sich hinter den Kulissen ab? In Teheran dürften sich Gerüchten zufolge derzeit Hardliner rund um Verteidigungsminister Ahmad Vahidi durchsetzen. Er ist seit März auch Befehlshaber der Iranischen Revolutionsgarde. Präsident Massud Peseschkian dürfte jedenfalls nicht die volle Kontrolle haben, Berichte aus den vergangenen Tagen zeichnen Vahidi als Schlüsselfigur, schildert Lyon.
"Aber die Lage ist definitiv deutlich komplexer als 'Er hat übernommen'. Klar ist, die Macht im Iran ist verteilt zwischen dem Obersten Führer, den Revolutionsgarden, dem Sicherheitsapparat und anderen Institutionen. Die Vorstellung, dass ein Mensch das Sagen haben könnte, ist definitiv falsch."
Sollten Vahidi und die Revolutionsgarden momentan die Oberhand haben, sinken die Chancen auf einen Waffenstillstand und rasche Deeskalation. Das heiße zwar nicht, dass damit jede Verhandlungsoption gestorben ist, doch die iranische Bevölkerung wird dieser Tage wieder auf Krieg eingeschworen. "Auch Frauen werden ganz plakativ ins Geschehen eingebunden. Das soll Stärke zeigen und gesellschaftliche Breite suggerieren", schildert die ORF-Korrespondentin. Wie? "Es fahren pink angemalte Militärfahrzeuge mit pink angemalten Raketen durch Teheran."