Rot-Kreuz-Chef hat "keine guten Nachrichten"

Man wundert sich, warum angesichts der jüngsten Entwicklungen kein kurzer, aber harter Lockdown kommt. 
Man wundert sich, warum angesichts der jüngsten Entwicklungen kein kurzer, aber harter Lockdown kommt. Georges Schneider / picturedesk.com
Gerry Foitik warnt: Die "Zahl der Infizierten und jener Menschen, die kritisch krank sind, werden in den nächsten Wochen vermutlich stark steigen".

Die derzeitige Entwicklung des Infektionsgeschehens in Österreich bereitet immer mehr Sorgen. Besonders beunruhigend sind dabei die steigenden Zahlen der belegten (Intensiv-) Betten in den Krankenhäusern. Erste Spitäler schlagen bereits Alarm. In einem Interview warnte erst kürzlich der Virologe Christoph Steininger, dass es bei gleichbleibendem Trend sogar so weit kommen könnte, dass normale Behandlungen und Therapien nicht durchgeführt werden könnten. "Ausgelastet sind unsere Intensivstationen fast die ganze Zeit, aber mit anderen Patienten als den Covid-Patienten." Der Virologe wies darauf hin, dass weniger Operationen und "andere akute Betreuungen" durchgeführt werden können, sofern die Belegung der Intensivbetten in den Spitälern durch Corona-Patienten steigt. - Ein Horror-Szenario, welches man schon im Herbst fürchtete, als die Zahlen explodiert sind. (Mehr dazu hier >>)

Auch Gesundheitsminister Anschober warnte vor einem solchen Szenario. "Die aktuell vorliegenden Prognosedaten zeigen eine drohende starke Steigerung der Infektionen. Die riskanteren, weil ansteckungsstärkeren Mutations-Varianten sind auch bei uns in Österreich und drücken die Infektionszahlen nach oben." Geplante Öffnungsschritte stehen nun sogar vor einem Inkrafttreten auf der Kippe. 

Steuern auf dritte Welle zu

Indes zeigten sich Virologen und Experten schon vor dem Gastro-Gipfel besorgt und warnten vor weiteren Lockerungen. Die Regierungsberaterin und Epidemiologin Eva Schernhammer riet der Bundesregierung dringend von weiteren Öffnungsschritten ab. Wieso jene beispielsweise die Öffnung der Schanigärten trotz steigender Corona-Zahlen ankündigte, ist für viele nicht ganz nachvollziehbar. Aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens droht nun sogar eine dritte Corona-Welle. Virologe Christoph Steininger erklärte indes, dass wir uns bereits mitten in der dritten Welle befinden. 

Bei einigen sorgen die zu Beginn der Woche angekündigten Lockerungen für viel Unverständnis und Ärger. Deutlich wird dies auch bei einer Diskussion unter einem Twitter-Posting von Rot-Kreuz-Chef Gerry Foitik. "Habe heute keine guten Nachrichten (..) gehabt: Zahl der Infizierten und jener Menschen, die kritisch krank sind, werden in den nächsten Wochen vermutlich stark steigen. Und das, kurz bevor viele von uns durch Impfung geschützt sind." Weiters verweist Foitik in dem Thread darauf, dass die B.1.1.7.-Mutation, die weitaus ansteckender ist, "bereits dominant im N/O Österreichs" vorkommt. 

Die Tatsache, dass Experten und Epidemiologen bereits seit einiger Zeit vor steigenden Zahlen warnten, wirft für einige nun also die Frage auf, warum die Regierung das Risiko eingegangen ist, zu lockern und nun auch weitere Öffnungsschritte zu beschließen. 

"Wieso überrascht mich das nicht? Viele sahen das kommen und wurden nicht gehört. Trauerspiel und Farce". schreibt beispielsweise ein User. "Ja leider, viele warnten, es gab Warnungen aus dem Ausland: England... Junge und Kinder durch B.117 besonders oft im Spital. Drosten: wenn man aufreißt, wenn die Alten geimpft sind, landen die Jungen in den Intensivstationen. Oder Portugal und Italien! Alles ignoriert!", schließt sich ein weiterer Nutzer dieser Meinung an. 

Auch die Frage, warum man denn nicht einen kurzen, aber dafür harten Lockdown macht, um die Zahlen zu drücken, kommt auf. "14 Tage totaler Lockdown. Warum machen wir das nicht?" 

Lieber sicher öffnen, als private Treffen ohne Tests

Als Grund kann aber die Tatsache betrachtet werden, dass immer mehr Menschen Treffen in den privaten Bereich verlagert haben und hier vermehrt "Corona-Partys" und Missachtungen der Corona-Regeln stattgefunden haben. Beobachtet wurde zudem eine immer größer werdende "Corona-Müdigkeit", die unter anderem dazu geführt hat, dass die Bereitschaft der Menschen, die Maßnahmen mitzutragen, deutlich gesunken ist. Dies schilderte zuletzt auch Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem Interview mit der deutschen "Bild". Hier betonte er: "Die objektive Situation war in Österreich schlicht und ergreifend, dass nach sechs Wochen der Lockdown seine Wirkung verloren hat. Die Menschen haben sich immer weniger daran gehalten, es hat immer mehr Verlagerungen in den privaten Bereich gegeben. Und ein Lockdown, wo keiner mitmacht, der hat natürlich auch wenig Sinn."

Öffnungsschritte, die "kontrollierte" Zusammenkünfte ermöglichen - wie etwa in der Gastronomie - schienen daher vernünftig zu sein. Zudem sorgen Eintrittstests für die körpernahen Dienstleister dafür, dass das Infektionsrisiko dort minimiert wird, was wiederum auch hier mehr Sicherheit bietet. 

"Auf steigende Zahlen reagieren"

Die seit Mitte Februar steigenden Zahlen seien laut dem Virologen Steininger auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurückzuführen, wie etwa das vermehrte Testen, die Zirkulation von neuen Virusvarianten, die weitaus ansteckender sind, und die Lockerung der Maßnahmen. Auch die "Ermüdung der Bevölkerung, dass man sich an Maßnahmen hält" sei ein Grund. "Alles Zusammen führt zu einem Anstieg der Infektionszahlen."

Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, so werde die Regierung hier gegensteuern müssen, so Anschober am Donnerstag. "Wir müssen es schaffen, diese Anstiege zu drücken", so der Minister. Am 15. März komme es zur Evaluierung mit den Fachexperten: Man müsse ganz offen sagen, dass eine solche Entwicklung geplante Öffnungsschritte wie bei der Gastronomie nicht möglich machen würde und es neue Corona-Maßnahmen brauche, so Anschober. Dies wolle man zwar verhindern, müsse aber auf gegebenenfalls steigende Zahlen reagieren. (Mehr dazu hier >>)

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