Ein Spaziergang eskalierte völlig: Plötzlich ging der 60 Kilo schwere Rottweiler auf seine Hundesitterin los. Was dann passierte, beschäftigte nun das Grazer Gericht.
Der Vorfall ereignete sich im Vorjahr in Gratwein. Die 35-jährige Hundesitterin war mit dem 60 Kilo schweren Rottweiler "Rocky" und der 20 Kilo schweren Mischlingshündin "Luna" unterwegs.
Die beiden Hunde hatten bereits zuvor für gefährliche Situationen gesorgt. Eine Spaziergängerin schilderte vor Gericht, wie Luna ihre Hündin "Amy" attackierte. "Ich hörte ein Schnaufen, da hatte sich Luna schon im Hals meiner Amy verbissen", erinnerte sie sich laut der "Kleinen Zeitung". Als sie den Mischlingshund wegziehen wollte, fiel sie zu Boden. Danach stand Rocky vor ihr. "Er hat mich fixiert. Hätte er keinen Beißkorb getragen, wäre ich jetzt tot."
Später ging der Rottweiler auf seine Hundesitterin los. Er biss in ihr Bein und ließ nicht mehr los. Ein Riemen des Beißkorbs war gerissen.
Die alarmierten Polizisten versuchten, Rocky zu vertreiben. Doch weder das Folgetonhorn aus unmittelbarer Nähe noch Pfefferspray zeigten Wirkung.
Der Hund blieb im Bein der Frau verbissen. Den Beamten blieb schließlich nichts anderes übrig, als das Tier zu erschießen. Vor dem Straflandesgericht Graz muss sich nun die Besitzerin der beiden Hunde verantworten. Ihr wird grob fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.
Die Frau hatte die Hunde während eines Reha-Aufenthalts einer Bekannten zur Betreuung übergeben. Sie erklärte vor Gericht, Rocky sei für sie immer beherrschbar gewesen. Dabei hatte der Rottweiler bereits zuvor ein Kind und eine Spaziergängerin gebissen. Auch von einer Attacke auf einen anderen Hund in Graz war die Rede.
Die Angeklagte gab an, die Hunde bei Begegnungen notfalls am Halsband festgehalten oder die Leinen um eine Laterne gebunden zu haben. Mit Rocky sei sie außerdem einmal in einer Hundeschule gewesen. Dort habe er an der Leine angerissen und sie am Finger verletzt.
Die Hundesitterin war über die Vorgeschichte offenbar nicht vollständig informiert. Auch dass die Besitzerin wegen eines Vorfalls mit den Hunden bereits vorbestraft war, hatte sie ihr nicht mitgeteilt.
Eine als Expertin befragte Tierärztin bewertete vor Gericht vor allem die Tatsache, dass Rocky den Biss gehalten hatte, als Zeichen einer sehr hohen Aggressionsstufe. "Ein normaler Hund hätte einmal zugebissen, hätte losgelassen und wäre weggegangen", erklärte sie. Gleichzeitig machte sie deutlich, wie schwer die beiden Tiere zu kontrollieren gewesen seien.
"Schon ein 14 Kilo schwerer Hund kann einen Menschen aushebeln. Die Hundesitterin war überfordert, aber auch ein Militärhundeführer oder ein Bodybuilder hätte diese zwei Hunde nicht halten können."
Die schwer am Bein verletzte Hundesitterin konnte bei der Verhandlung nicht aussagen. Deshalb musste der Prozess vertagt werden. Die Angeklagte hat sich laut Bericht bislang nicht bei der Frau entschuldigt. "Wir haben seit damals keinen Kontakt mehr", sagte sie vor Gericht.
Eine der beiden Hunde lebt weiterhin bei der Angeklagten: Mischlingshündin "Luna". Auf die Frage der Richterin, warum das Tier noch immer im Haushalt sei, antwortete die Frau: "Mein Sohn spielt gerne mit ihr."