Das Stillen eines Babys ist eigentlich eine völlig natürliche Sache, tut dies eine Mutter in der Öffentlichkeit, kommt es des Öfteren zu unschönen Erlebnissen. So erging es auch einer Frau (30) aus der Steiermark, als sie ihrem Kind die Brust gab.
Wie die "Krone" berichtet, kam es zu dem Vorfall auf einer Hochzeitsfeier in einem Wirtshaus. Als sie am Rande der feiernden Gesellschaft ihr wenige Wochen altes Baby füttern wollte, wurde die Mutter vom Wirt angesprochen. Da es ihn "sichtlich gestört" habe, soll er die Frau gefragt haben, ob sie dazu nicht in ein Zimmer gehen wollte.
Die 30-Jährige verneinte, woraufhin sie der Wirt zum Gehen aufgefordert habe. Die Familie der Frau war jedoch auf ihrer Seite, weswegen der Wirt die Gaststube wieder verließ, heißt es in dem Bericht. Dies sollte jedoch nicht der einzige Vorfall bleiben.
Ein paar Monate später war die Frau mit ihrem Baby bei einer Beerdigung. Als es Hunger bekam, verließ die Mutter die Kirche und stillte ihr Kind davor. Dies dürfte einer ihr unbekannten Frau nicht gefallen haben. Sie soll die Mutter beschimpft und dafür kritisiert haben, dass ihr Baby zu alt zum Stillen wäre. Das Baby war zu diesem Zeitpunkt sechs Monate alt.
Laut der Mutter habe man nichts von ihrer Brust gesehen. Trotzdem könne es nicht sein, dass das Stillen eines Babys so sexualisiert werde. Die 30-Jährige sieht in der Debatte Handlungsbedarf, da einige Frauen ohnehin schon Probleme mit dem Stillen hätten, ohne, dass sie dafür angefeindet würden. Leider kenne sie viele Betroffene, die solche Momente erlebt hätten.
Auch eine diplomierte Kinderkrankenschwester, die eine Stillberatung an der Privatklinik Graz-Ragnitz leitet, kritisiert gegenüber der "Krone", dass es an der Akzeptanz in der Gesellschaft fehle. Dabei gebe es FKK-Strände und nackte Frauen auf Plakaten oder im Fernsehen. Stillen gehe dann aber zu weit.
Ihr zufolge bleibe die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema oft unzureichend. Viele Frauen würden Kritik ernten, wenn sie ihr Kind stillen oder eben nicht. Zudem würden Mütter an sich zweifeln, wenn es mit dem Stillen nicht gleich klappt. Man könne das Thema nicht oft genug ansprechen, damit Frauen wissen, dass sie nicht alleine sind.
Seitens der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle in der Steiermark wurde betont, dass man in der Gesellschaft schon einmal weiter gewesen sei. Bei der Stillthematik gebe es leider eine "gefährliche" Abwehrhaltung in der Gesellschaft. Die Meldestelle sei immer wieder mit diesbezüglichen Vorfällen konfrontiert.
Juristisch gesehen, ist das Stillen in der Öffentlichkeit jedenfalls nicht verboten. Von einer Erregung öffentlichen Ärgernisses könne in solchen Fällen nicht gesprochen werden. Die Expertin sprach sich für mehr geschützte Orte in der Öffentlichkeit aus. An solchen stillfreundlichen Plätze würde es in Gasthäusern oder bei Veranstaltungen fehlen.