"Die ÖVP spielt keine Rolle. (...) Wenn die ÖVP ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal 'Wumm', und es ist wieder Ruhe." Die geleakten Protokolle, über die die "Krone" am Freitag berichtete, belasten den Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck (ÖVP) schwer – "Heute" berichtete.
Ruck, der bereits seit geraumer Zeit unter Druck steht, soll laut den Leaks ein abgekühltes Verhältnis zu seiner eigenen Partei haben. Das Protokoll zeichnet ein Bild von einem Wirtschaftskammer-Präsidenten, der der eigenen Partei wenig Bedeutung beimisst und stattdessen auf den direkten Draht zur SPÖ-Stadtregierung setzt. Für Walter Ruck gilt die Unschuldsvermutung.
"Wir wären nie interessiert, dass es einen ÖVP-Bürgermeister gibt", soll der WK-Boss laut den Leaks gesagt haben. Die Interessen mit der Stadt Wien würden gut laufen, die ÖVP spiele "eh keine Rolle". Der direkte Draht in die Kammer dürfte auch für die Verantwortlichen in der Stadtregierung angenehm sein: "Wenn die ÖVP ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal 'Wumm', und es ist wieder Ruhe."
„Wenn die ÖVP ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal 'Wumm', und es ist wieder Ruhe.“Walter Ruck (ÖVP)
Heißt übersetzt: Wird die Wiener Volkspartei gegenüber der Stadt-SPÖ zu unbequem, soll Ruck höchstpersönlich dafür sorgen, dass wieder Ruhe einkehrt. Brisant sind die Aussagen auch deshalb, weil Ruck seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten schwarzen Funktionären in Wien zählt. Gleichzeitig ist er Präsident der Wirtschaftskammer Wien und war lange Obmann des Wiener Wirtschaftsbundes – einer der wichtigsten Teilorganisationen der ÖVP.
Gegenüber "Heute" kommentierte die Wiener Volkspartei – Rucks politische Heimat – die kolportierten Aussagen wie folgt: "Uns selbst liegen keine Protokolle vor. Wir waren, wie aus den Protokollen in den Medienberichten hervorgeht, nicht in Gespräche dieser Art involviert. Wir distanzieren uns aber klar von dem Bild, das hier abgegeben wird."
Die Wiener ÖVP stehe ganz klar für ein "völlig anderes Politikverständnis als jenes, das in den Medienberichten zum Ausdruck kommt". Man distanziere sich von den Vorkommnissen und Aussagen.
Abschließend betonten die Schwarzen: "Bereits seit Längerem sprechen wir uns auf mehreren Ebenen für Reformen aus, um derartigen Entwicklungen entgegenzuwirken. Allfällige personelle Konsequenzen muss der Wiener Wirtschaftsbund bzw. die Wiener Wirtschaftskammer treffen."
Ob und welche Konsequenzen die Causa für Ruck haben wird, bleibt vorerst offen. Fest steht: In den kommenden Tagen sollen weitere Enthüllungen folgen – unter anderem zu Grundstücksdeals.