Neue Enthüllungen rund um den Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck (ÖVP) sorgen für politischen Sprengstoff in der Hauptstadt. Ein geleaktes Gesprächsprotokoll, über das die "Kronen Zeitung" am Freitag berichtet, soll zeigen, wie Ruck bei hochrangigen Postenbesetzungen in Wien mitgemischt und dafür sogar bei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) interveniert haben soll. Für Walter Ruck gilt die Unschuldsvermutung.
Im Zentrum der Vorwürfe steht die Bestellung des früheren ÖVP-Gemeinderats Manfred Juraczka zum zweiten Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Laut dem Protokoll soll Juraczka Ruck den Bürgermeister während des Verspeisens einer Stelze im Schweizerhaus um Unterstützung bei der Jobsuche gebeten haben. Ruck habe daraufhin nach eigener Darstellung bei Ludwig interveniert ("Du, Michi, im Übrigen, ich habe einen – den Manfred Juraczka") und den Top-Job (Gehalt: 14.000 Euro brutto) eingefädelt. Die Bestellung hatte bereits damals für Kritik gesorgt, weil sie ohne öffentliche Ausschreibung erfolgte.
Das Büro von Bürgermeister Ludwig weist den Vorwurf einer unzulässigen Einflussnahme zurück. Demnach sei es seit der Gründung der Wirtschaftsagentur gelebte Praxis, dass die Wirtschaftskammer den zweiten Geschäftsführer vorschlage. Juraczka selbst erklärte lediglich, persönliche Gespräche grundsätzlich vertraulich zu behandeln.
Doch damit nicht genug: Laut dem Protokoll soll Ruck auch die politische Karriere seines Sohnes Alexander unterstützt haben. Demnach habe er die damalige Döblinger ÖVP-Gemeinderätin Margarete Kriz-Zwittkovits zum Rückzug bewegt, wodurch sein Sohn als Spitzenkandidat antreten konnte. Im Zusammenhang mit der späteren Kammerreform soll Ruck laut Protokoll zudem gesagt haben: "Ich merke mir Loyalität." Ruck betont dazu, der Spitzenkandidat sei vom Parteivorstand gewählt worden; Gespräche zwischen Beteiligten seien vertraulich.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt ein weiterer Abschnitt des Protokolls über sein – anfangs offenbar unterkühltes – Verhältnis zur Wiener Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ). Dort wird Ruck mit den Worten zitiert: "Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen, was ist des?"
Durch ein von seiner Frau vorgeschlagenes Arbeitsfrühstück soll sich die Basis der beiden aber schlagartig verbessert haben.
Novak betont, die Zusammenarbeit mit Ruck sei vom gemeinsamen Interesse am Wirtschaftsstandort Wien geprägt. Ruck selbst weist den Vorwurf eines problematischen Frauenbildes zurück und erklärt, für ihn zähle ausschließlich Kompetenz.
„(...) dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal 'Wumm', und es ist wieder Ruhe.“
Auch zu seiner eigenen Partei hat er offenbar kein sonderlich inniges Verhältnis. "Wir wären nie interessiert, dass es einen ÖVP-Bürgermeister gibt", soll Ruck gemeint haben. Der gegenseitige – nun ja – Abtausch von Interessen mit der Stadt Wien laufe gut; die ÖVP spiele "eh keine Rolle". Der direkte Draht in die Kammer dürfte auch für die Verantwortlichen in der Stadtregierung angenehm sein: "Wenn die ÖVP ein bisschen zu keck wird, dann kommt der Wirtschaftskammerpräsident, macht zweimal 'Wumm', und es ist wieder Ruhe."
Die neuen Enthüllungen treffen Ruck in einer Phase, in der er bereits wegen mutmaßlicher Postenvergaben an Familienmitglieder massiv unter Druck steht. Schon seit Monaten laufen Debatten über seine Rolle bei Personalentscheidungen innerhalb des Wirtschaftsbundes und der Sozialversicherungen.
Teil eins der Tapes trifft den ohnedies schon angeschlagenen Kammerboss ins Mark. In den nächsten Tagen soll es weitere Enthüllungen – unter anderem über Grundstückdeals geben.