Baustellen auf mehreren U-Bahn-, Straßenbahn- und S-Bahn-Linien sorgen derzeit für erhebliche Einschränkungen im Wiener Öffi-Verkehr. Die Wiener Grünen üben deshalb scharfe Kritik an der Stadt und sprechen von einer mangelhaften Koordinierung der Bauarbeiten.
"Nichts geht mehr", fasste Grünen-Parteivorsitzender Peter Kraus die aktuelle Situation zusammen. Seiner Ansicht nach müssten sich die Fahrgäste in den kommenden Monaten auf zahlreiche Probleme einstellen. "Öffi-Fahrer müssen in den kommenden Monaten gute Nerven und viel Geduld aufbringen, denn es wird nicht leicht, mit U-Bahn, Bus und Bim in Wien voranzukommen. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem alle Wiener 100 Euro mehr für die Jahreskarte berappen müssen", so Kraus.
Betroffen sind unter anderem die Straßenbahnlinien 40, 41 und 42, die während des Sommers wegen Gleisarbeiten komplett eingestellt sind. Auch die Linien 1, 71 und D fahren derzeit nur eingeschränkt oder werden umgeleitet. Zusätzlich sind Abschnitte der U3 und U4 gesperrt, ebenso die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Floridsdorf und Praterstern.
Nach Angaben der Grünen werde die Situation im Herbst mit der Sperre weiterer Teile der S-Bahn-Stammstrecke noch schwieriger. Mobilitätssprecherin Heidi Sequenz erklärte: "Die Sperre der Stammstrecke alleine bedeutet für ganz Wien einen Stresstest, weil sich eine Viertelmillion Menschen dann im restlichen Öffi-Netz aufteilen muss."
Die Oppositionspartei wirft der Stadt vor, zu viele Bauarbeiten gleichzeitig durchzuführen. "Es sind so viele Linien derzeit eingestellt, unterbrochen oder umgeleitet, dass sich die meisten Wiener nicht mehr auskennen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Das ist ein reines Fahrgast-Vertreibungsprogramm", so Kraus und Sequenz.
Die Grünen fordern deshalb vor allem dichtere Intervalle im öffentlichen Verkehr sowie eine durchgehende Ampel-Priorisierung für Straßenbahnen und Busse, um die Auswirkungen der Sperren möglichst gering zu halten.