Gegen den Leiter des Wiener Marktamts (MA 59), Andreas Kutheil (60), werden schwere Vorwürfe erhoben. Wie der "Falter" berichtet, werden dem seit acht Jahren amtierenden Chef der MA 59 – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – unter anderem Sexismus, Rassismus und Mobbing vorgeworfen.
Laut dem Bericht schildern mehrere Beschäftigte einen von Angst geprägten Arbeitsalltag. Insgesamt sollen sich 20 Mitarbeiter an den Unabhängigen Bedienstetenschutz der Stadt Wien (UBSB) gewandt haben. Die Magistratsdirektion hat mittlerweile eine Prüfung durch die Interne Revision eingeleitet.
Zu den dokumentierten Vorfällen zählt laut "Falter" eine Weihnachtsfeier 2023. Dort soll sich Kutheil lautstark darüber beschwert haben, das "N-Wort" nicht mehr verwenden zu dürfen – und zwar in unmittelbarer Nähe einer schwarzen Kollegin. Auch Mobbingvorwürfe stehen im Raum. Ein Mitarbeiter soll nach einem Wutausbruch des Amtsleiters in Tränen ausgebrochen sein und sich laut Bericht seither wegen Depressionen im Krankenstand befinden.
Scharfe Kritik kommt von den Grünen Wien. Klubobmann Georg Prack bezeichnet die Vorwürfe als "absolut untolerierbar". "Diese Vorwürfe sind erschreckend und müssen ernst genommen und zweifelsfrei aufgeklärt werden. Eine interne Revision, wie sie die SPÖ so gerne macht, reicht hier nicht aus, um das verloren gegangene Vertrauen wieder herzustellen. Es braucht eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge in der betroffenen Abteilung. Ein solches Führungsverhalten erschüttert das Vertrauen in die Stadtverwaltung", so Prack.
Er nimmt auch die zuständigen Stadträtinnen in die Verantwortung. "Kutheil durfte unter Sima einen Karriereschritt nach dem anderen machen – obwohl die Mitarbeiter:innen offensichtlich schon seit langem über das toxische Arbeitsklima berichtet haben. Es wird zu klären sein, in welchem Ausmaß die verantwortlichen Stadträtinnen über die Vorwürfe informiert waren und warum sie gegebenenfalls nicht gehandelt haben."
Auch die FPÖ reagierte mit harscher Kritik. Wiens FPÖ-Landesparteiobmann Dominik Nepp spricht von erschütternden Vorwürfen: "Die gegen den Leiter des Wiener Marktamts erhobenen Vorwürfe machen fassungslos. Sollten sich diese Anschuldigungen bestätigen, wäre das ein beispielloses Führungsversagen innerhalb der Stadt Wien", so Nepp.
Besonders schwer wiege laut dem FPÖ-Chef, dass die Vorfälle Medienberichten zufolge seit Jahren bekannt gewesen sein sollen. "Wenn Hinweise über einen derart langen Zeitraum vorlagen und dennoch nichts unternommen wurde, stellt sich die Frage, wer hier bewusst weggesehen hat. Stadträtin Ulli Sima hätte längst handeln, den Verantwortlichen seines Amtes entheben und eine umfassende Untersuchung veranlassen müssen."
Auch ÖVP-Gemeinderätin Elisabeth Olischar fordert eine umfassende und lückenlose Aufklärung: "Die im Raum stehenden Vorwürfe zeichnen ein äußerst bedenkliches Bild der Führungskultur im Wiener Marktamt. Dies ist mit den Grundsätzen eines modernen und respektvollen öffentlichen Dienstes nicht vereinbar", so Olischar.
Seitens der für Märkte zuständigen Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) heißt es auf "Heute"-Anfrage dazu: "Ein respektvoller Umgang mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Wien ist für mich unverzichtbar. Die im Raum stehenden Vorwürfe werden daher sehr ernst genommen. Es handelt sich hierbei um ein sehr sensibles Thema, welches von den zuständigen Stellen derzeit intensiv geprüft wird."