Ab 2027

Fast 1 Million Euro! Auszeit-WG sprengt die Kosten

Die "Auszeit-WG" für strafunmündige Intensivtäter wird ab kommendem Jahr 995.000 Euro kosten. Für heuer wird mit 800.000 Euro gerechnet.
Wien Heute
13.07.2026, 05:45
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Die umstrittene "Auszeit-WG" für strafunmündige Intensivtäter unter 14 Jahren in Simmering wird den Wiener Steuerzahler deutlich mehr kosten als bisher bekannt. Während bei der Präsentation noch von Gesamtkosten von rund 800.000 Euro für 2026 die Rede war, rechnet die Stadt Wien ab 2027 bereits mit 995.000 Euro pro Jahr.

Das geht aus einer Anfragebeantwortung von Jugendstadträtin Bettina Emmerling (Neos) an die ÖVP-Gemeinderätin Sabine Keri hervor. Als Grund nennt die Stadt einen höheren Personalbedarf. In der Anfragebeantwortung heißt es: "Der ursprünglich geplante Personaleinsatz wurde erhöht, da von Seiten der Expert*innen wegen des erwarteten Betreuungsbedarfs eine höhere Personaldichte gefordert wurde."

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88 Prozent der Kosten für Personal

Der größte Kostenblock der für die ab 2027 veranschlagten 995.000 Euro entfällt auf das Personal. Allein für das pädagogische Personal werden jährlich 640.881 Euro verrechnet. Hinzu kommen 23.033 Euro für die pädagogische Leitung, 39.500 Euro für die Verwaltung sowie 170.600 Euro für externes Personal (zum Beispiel Tier-Pädagogen). Insgesamt entfallen damit rund 874.000 Euro auf Personal- und externe Betreuungskosten – das entspricht knapp 88 Prozent der geplanten Gesamtausgaben.

Laut Anfragebeantwortung sind mindestens zwei PädagogInnen rund um die Uhr in der Einrichtung anwesend. Insgesamt sind 7,5 Vollzeitstellen vorgesehen. Diese verteilen sich auf eine pädagogische Leitung, zwei PsychologInnen, zwei SozialarbeiterInnen, zwei SozialpädagogInnen sowie eine diplomierte Sozialbetreuerin beziehungsweise einen Sozialbetreuer.

Jährlich maximal 16 Kinder

Die Wohnkosten (inklusive Betriebskosten) liegen jährlich bei 30.000 Euro, Kosten für Gas/Strom/Heizung bei 3.200 Euro und für Versicherungen bei 1.740 Euro. Weitere Faktoren sind unter anderem Reinigung (12.000 Euro), Lebensmittel (11.220 Euro) und Schulungen (8.240 Euro).

Das Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche und 1.500 Quadratmetern Garten bietet parallel Platz für maximal zwei Kinder im Alter von elf bis 13 Jahren (je eines auf einer Ebene). Sie sollen dort für sechs bis zwölf Wochen untergebracht werden. Laut Stadt können jährlich acht bis 16 Kinder betreut werden. Geht man von der maximalen Kapazität von zwei Kindern pro Tag aus wäre das ein kalkulierter Tagsatz von knapp 1.350 Euro (!) pro Kind.

Start der "Auszeit-WG" mehrmals verschoben

Kritik zu den hohen Kosten kommt von ÖVP-Wien-Klubobmann Harald Zierfuß: "Noch bevor die von den Neos angepriesene Auszeit-WG überhaupt ihre Türen öffnet, explodieren bereits die Kosten auf 1 Million Euro. Das sind 1.350 Euro pro Kind und Tag. Ob dieser Ansatz im Umgang mit jugendlichen Intensivtätern tatsächlich Wirkung zeigt, wird sich erst zeigen – insbesondere da nur mehr als schwammige Zielsetzungen festgelegt werden."

Eigentlich hätte die "Auszeit-WG" bereits im Mai ihren Betrieb aufnehmen sollen. Die Umbauarbeiten – dafür wurden ebenfalls 30.000 Euro veranschlagt – dauerten jedoch länger als geplant. Laut dem Büro von Stadträtin Emmerling sind diese mittlerweile abgeschlossen, der Einzug des ersten Kindes soll "alsbald" erfolgen.

Intensivtäter mit hunderten Straftaten

Bei den Kindern handelt es sich um Intensivtäter mit teilweise hunderten Straftaten wie schwerer Raub und Kfz-Einbrüche: "Für uns ist die 'Auszeit-WG' die schärfste und letzte Konsequenz, die Ultima Ratio sozusagen", erklärte Stadträtin Emmerling bei der Präsentation der Auszeit-WG im heurigen April.

(v.l.) MA-11-Abteilungsleiter Johannes Köhler, Stadträtin Bettina Emmerling (Neos) und SPÖ-Gemeinderätin Astrid Pany bei der Präsentation der Auszeit-WG im heurigen April.
Denise Auer

Voraussetzung für eine Unterbringung sind unter anderem eine psychiatrische Diagnose, eine erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung sowie die Feststellung, dass kein gelinderes Mittel zur Verfügung steht. Angedacht ist ein Stufenmodell: Stufe 1 beinhaltet die Anhaltung im Haus. Stufe 2 ermöglicht begleitete Ausgänge in den Garten und Stufe 3 selbstständige Ausgänge (in den Garten und evt. auch an andere Orte).

Senkung des Strafmündigkeits-Alters

Laut ÖVP-Wien-Klubobmann Zierfuß braucht es "wirksame und nachhaltige Maßnahmen, denn in den geplanten zwölf Wochen kann wohl kaum geheilt werden, was in den zwölf Jahren eines Kinderlebens – auch in Einrichtungen der MA 11 – schiefgelaufen ist. Notwendig sind eine Absenkung des Strafmündigkeits-Alters sowie ein klares Konzept inklusive Folgekonzept, das über ein neues pinkes PR-Konzept hinausgeht."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.07.2026, 11:20, 13.07.2026, 05:45
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