Die Sommerferien laufen, der Tourismus boomt – doch die von der Stadtregierung angekündigten strengeren Regeln für Airbnb & Co. lassen laut Grünen weiter auf sich warten. Die Grünen Wien schlagen Alarm und sprechen von einem anhaltenden "Wohnraub" durch Kurzzeitvermietungen.
Eine EU-Verordnung sieht vor, dass jede Unterkunft eine Registrierungsnummer erhält, die bei Inseraten auf Plattformen wie Airbnb oder Booking.com angegeben werden muss. Die Plattformen wiederum sollen monatlich Buchungsdaten an die Behörden übermitteln. So könnten illegale Angebote leichter aufgedeckt werden.
Obwohl die Verordnung bereits im Mai 2024 beschlossen wurde und Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Umsetzung mehrfach angekündigt hatte, gibt es in Wien bis heute kein entsprechendes Register.
"Hunderte Schlüsselkästen im öffentlichen Raum und eine hohe Zahl an Angeboten bei gleichzeitig niedrigen Bewilligungszahlen sind ein klarer Hinweis, dass das Problem der illegalen Kurzzeitvermietung überhandnimmt", sagt Georg Prack, Wohnbausprecher und Klubobmann der Grünen Wien.
"Die Baupolizei könnte längst gegen illegale Kurzzeitvermietung vorgehen, wenn die SPÖ nicht auf ihren Händen sitzen und nichts tun würde. Das Register kann illegale Kurzzeitvermietung im großen Stil verhindern und würde die Kontrolle deutlich effizienter machen", so auch Grünen-Chef Peter Kraus.
Nach Angaben der Grünen werden in Wien derzeit mehr als 14.000 Wohnungen dauerhaft als Tourismus-Appartements genutzt – mehr Wohnungen, als es im gesamten Bezirk Josefstadt gibt. Zudem werde die Umwandlung von Wohnhäusern in sogenannte Beherbergungsstätten weiter vorangetrieben. Allein 2025 wurden laut Grünen 305 Anträge gestellt, 132 davon bereits bewilligt.
Die Partei sieht darin eine Umgehung der bestehenden Regeln. Spekulanten würden Wohnungen dem regulären Mietmarkt entziehen und stattdessen mit touristischer Vermietung höhere Gewinne erzielen.
Die Grünen werfen der Stadtregierung vor, trotz Ankündigungen keine wirksamen Maßnahmen gesetzt zu haben. "Die Ankündigungen des Bürgermeisters schützen die Wiener nicht vor Wohnraub. Die Umwandlung von Wohnungen in Beherbergungsstätten geht munter weiter. Die Stadt muss diesem Treiben endlich ein Ende setzen, bevor noch mehr leistbare Wohnungen verloren gehen", fordert Kraus.
Besonders kritisch sehen die Grünen Überlegungen, wonach künftig bis zu 20 Prozent eines Gebäudes für Beherbergungsstätten genutzt werden könnten. "Ein Freibrief für die Umwandlung von 20 Prozent der Wiener Wohnungen wäre ein Kniefall vor den Spekulant. Wer bei der derzeitigen Wohnungsknappheit Konzessionen an AirBnB & Co. macht, hat das Verständnis für die Probleme der Wiener verloren. Wohnungen sind keine Hotelzimmer, das sollte auch gesetzlich sichergestellt werden", so Prack.
Die Grünen verlangen einen sofortigen Stopp neuer Tourismus-Appartements. Ausnahmegenehmigungen für gewerbliche Kurzzeitvermietungen sollen auslaufen und nicht mehr verlängert werden. Private Vermietungen bis zu 90 Tagen pro Jahr sollen weiterhin erlaubt bleiben.
Außerdem müsse das angekündigte Kurzzeitvermietungsregister endlich eingerichtet werden. Zusätzlich fordern die Grünen eine Änderung der Bauordnung, damit Wohnungen in Wohngebieten künftig nicht mehr ohne ausdrückliche Widmung in Beherbergungsstätten umgewandelt werden können.