Wiener Parteien reagieren

40.000 € mit Airbnb – "Wohnungen sind zum Wohnen da"

Ein Wiener verdient mit Airbnb viel Geld – jetzt reagiert die Politik. Von klaren Worten bis harten Forderungen: So bewerten sie das Geschäftsmodell.
Christoph Weichsler
14.02.2026, 19:54
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Dieser "Heute"-Bericht sorgte diese Woche für Aufsehen: Der Wiener Max setzt mit seinen zehn Airbnb-Wohnungen bis zu 40.000 Euro im Monat um. Der 27-Jährige finanziert damit sein Leben in Thailand. Jetzt sorgt seine Story auch für politische Aufregung. Während der Vermieter selbst die Regeln der Stadt kritisiert, schlägt nun die Wiener Politik zurück – mit deutlichen Worten.

Im Zentrum der Debatte steht eine Grundsatzfrage: Wie viel Kurzzeitvermietung verträgt Wien, während günstige Wohnungen fehlen und die Wohnkosten immer weiter steigen? Die Antworten aus dem Rathaus fallen klar aus.

Grüne: "Wohnungen sind zum Wohnen da"

Besonders deutlich äußert sich Georg Prack, Klubobmann und Wohnsprecher der Wiener Grünen. Für ihn ist die Richtung klar: "In Wien gibt es zu wenig günstige Wohnungen und die Wohnkosten steigen immer weiter in die Höhe. Die Stadtregierung muss endlich sicherstellen, dass Wohnungen nicht dauerhaft in Tourismus-Apartments umgewandelt werden."

Noch schärfer wird Prack beim Vergleich:

Der Grüne weiter: "Wohnungen sind zum Wohnen da und nicht, damit sich Einzelne eine goldene Nase verdienen können. Niemand würde auf die Idee kommen, in seinem Garten einen Campingplatz zu machen. Das wäre auch rechtlich nicht möglich."

Für Prack zeigt der Fall exemplarisch, warum es klare Grenzen für Kurzzeitvermietung brauche. Wohnungen dürften nicht zweckentfremdet werden, während gleichzeitig immer mehr Menschen keine leistbare Bleibe finden.

SPÖ: Wien als europäisches Vorbild

Die SPÖ Wien verteidigt den aktuellen Kurs der Stadt. Mit der Bauordnungsnovelle und der 90-Tage-Regel habe man bewusst eingegriffen, um illegale Kurzzeitvermietung einzudämmen und Wohnraum zu schützen. Ziel sei es gewesen, den ursprünglichen Airbnb-Gedanken zu bewahren: die zeitweise Vermietung der eigenen Wohnung, etwa während einer längeren Abwesenheit. Wien sei mit diesem Modell europaweit Vorreiter, betont die SPÖ. EU-Wohnkommissar Dan Jorgensen habe die Stadt sogar als Vorbild für die zukünftige Wohnpolitik Europas bezeichnet. Die Regelungen würden laufend überprüft und bei Bedarf angepasst.

Einen Punkt stellt die SPÖ unmissverständlich klar: Im sozialen Wohnbau habe Kurzzeitvermietung keinen Platz. Illegale Untervermietung in Gemeindewohnungen werde nicht geduldet. Der soziale Wohnbau stehe für leistbares und sicheres Wohnen und dürfe nicht von Einzelnen zur Geschäftemacherei missbraucht werden, heißt es aus dem Rathaus.

NEOS: Regeln ja, Verbote nein

Auch die NEOS positionieren sich klar. Klubobfrau und Wohnbausprecherin Selma Arapović betont, dass Kurzzeitvermietung nicht grundsätzlich verboten werden solle. Gleichzeitig warnt sie davor, dass zu viel Wohnraum dauerhaft dem Markt entzogen wird.

Die NEOS verweisen ebenfalls auf die 90-Tage-Grenze und die seit 2024 verschärften Regelungen in der Bauordnung. Wer länger vermieten wolle, brauche eine Ausnahmegenehmigung sowie die Zustimmung aller Miteigentümer. Diese Regeln seien im Sinne eines fairen Zusammenlebens von allen einzuhalten.

ÖVP: Kein rechtsfreier Raum

Die Wiener Volkspartei stellt klar, dass Kurzzeitvermietung kein rechtsfreier Raum sein dürfe. Seit Juli 2024 gelten neue Vorschriften, die strikt einzuhalten seien – unabhängig davon, ob sich eine Wohnung in einer Wohnzone befindet oder nicht.

Wohnbausprecher Gemeinderat Lorenz Mayer betont, entscheidend sei die konsequente Durchsetzung der bestehenden Regeln. Es liege an den zuständigen Behörden, bei Verstößen einzuschreiten und Wohnraum zu schützen.

KPÖ: "Goldene Nase auf Kosten der Wiener"

Weiter unten in der Debatte meldet sich auch die KPÖ Wien zu Wort – mit besonders scharfer Kritik. "Der Fall eines in Bangkok lebenden Wieners, der sich ohne jegliche Leistung eine goldene Nase verdient, zeigt, dass die Politik die Wiener:innen bereitwillig im Stich lässt", erklärt KPÖ-Wien-Landessprecher Mario Memoli. Die KPÖ sieht Airbnb als Teil eines größeren Problems: Wohnungen würden leer stehen oder zweckentfremdet, während die Mieten ungezügelt steigen. Als Vorbild nennt die Partei Salzburg, wo mit umfassenden Kontrollen und hohen Strafen gegen illegale Airbnbs vorgegangen werde.

Für die KPÖ ist klar: Wohnen müsse den Wienerinnen und Wienern dienen – nicht dem Markt. "Den Superreichen im Wohnungsmarkt und ihren Vertretern in der Politik muss Einhalt geboten werden", so Memoli.

"Ein Wahnsinn!"

Als Zwischenlösung fordert die Partei eine Leerstandsabgabe und ein umfassendes Gemeindebauprogramm. "In Wien steht sieben Mal so viel leer, wie im ganzen Vorjahr gebaut wurde. Das ist wohnpolitisch ein Wahnsinn", sagt Memoli.

Ob strengere Kontrollen, neue Regeln oder noch härtere Strafen – klar ist: Kurzzeitvermietung bleibt eines der brisantesten Themen der Wiener Wohnpolitik. Und die Debatte ist noch lange nicht vorbei.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 14.02.2026, 19:54
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