Die FPÖ hält die seit Mai geltende Schutzzone rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße (Wien-Mariahilf) für ungeeignet, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Die Maßnahmen seien ein "bürokratischer Murks" und würden das eigentliche Problem nicht lösen.
Kritisiert wird insbesondere das Alkoholverbot beim Westbahnhof. Dieses sei in der Praxis kaum durchsetzbar, weil sich die Maßnahmen überwiegend gegen schwer suchtkranke Menschen ohne festen Wohnsitz oder Meldeadresse richten würden. Verwaltungsstrafen liefen bei dieser Personengruppe ins Leere und hätten keinerlei abschreckende Wirkung.
Nach Ansicht der FPÖ führt die derzeitige Politik lediglich zu einem Verdrängungseffekt. Das Problem werde verlagert, aber nicht gelöst. Bereits kurz nach Einführung der Schutzzone berichteten Anrainer über Ausweichbewegungen unmittelbar außerhalb des überwachten Bereichs. Auch "Heute" dokumentierte damals entsprechende Beobachtungen.
Die Freiheitlichen sehen die Verlegung des Suchthilfezentrums "Jedmayer" als einzige nachhaltige Lösung: "Das 'Jedmayer' muss aus dem dicht besiedelten Wohngebiet verlegt werden – idealerweise an den Stadtrand in ein Gewerbegebiet mit guter Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel", heißt es.
Gefordert werden an einem möglichen neuen Standort zudem große Freiflächen sowie Bereiche, in denen sich die Klienten aufhalten können, ohne dass sich das Geschehen auf öffentliche Straßen, Parks oder U-Bahn-Stationen verlagert. Ziel müsse sein, den Aufenthalt der Besucher auf das Gelände der Einrichtung zu konzentrieren.
Kritik übt die FPÖ auch am Spritzentauschprogramm der Suchthilfe Wien. 2023 wurden im gesamten Spritzentauschprogramm – dazu zählen neben dem "Jedmayer" auch die Beratungsstelle "Change", Streetwork sowie externe Ausgabestellen – insgesamt 2.907.757 Spritzen ausgegeben beziehungsweise getauscht. Die offizielle Rücklaufquote lag bei 97,8 Prozent.
Rechnerisch bedeutet das allerdings, dass rund 63.971 Spritzen nicht retourniert wurden. Das entspricht durchschnittlich rund 5.330 Spritzen pro Monat beziehungsweise etwa 175 Spritzen pro Tag. Die Suchthilfe Wien veröffentlicht die Zahlen allerdings nicht getrennt nach einzelnen Einrichtungen. Der 24-Stunden-Spritzentausch im "Jedmayer" gilt jedoch als mit Abstand größte Ausgabestelle.
Die Schutzzone rund um den Fritz-Imhoff-Park gilt seit 8. Mai. Nach Angaben der Polizei wurden in den ersten Wochen bereits mehr als 100 Betretungsverbote ausgesprochen. Die Stadt präsentierte gemeinsam mit Polizei und Bezirk zudem ein Sieben-Punkte-Maßnahmenpaket mit verstärkten Kontrollen, mehr Sozialarbeit sowie baulichen Änderungen im Bereich des Parks (2,4 Meter hoher Zaun, Nachtsperre, Rückschnitt von Sträuchern).
Die Umgebung der U6-Station Gumpendorfer Straße gilt seit Jahren als Brennpunkt. Laut ÖVP weist das Gebiet rund um das "Jedmayer" die höchste Konzentration an Suchtmitteldelikten pro Einwohner in Wien auf.
Die ÖVP Mariahilf (Gerhard Hammerer) und die ÖVP Rudolfsheim-Fünfhaus (Felix Ofner) setzen sich daher seit Längerem für eine Entschärfung der Situation ein. Sie fordern eine Alkoholverbotszone rund um die Gumpendorfer Straße (wie beim Westbahnhof) und eine Videoüberwachung. Darüber brauche es strukturelle Änderungen bei der Betreuung suchtkranker Menschen und ein Gesamtkonzept für ganz Wien.