Nächtlicher Lärm, Vandalismus, Müll, Betrunkene sowie Drogenhandel- und konsum: Das Grätzl rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße kämpft seit Jahren mit Problemen dieser Art. Eine Schutzzone ist seit Freitag in Kraft, harte Strafen drohen – nun folgt für einige Anrainer womöglich das nächste Dilemma.
Der Alkohol- und Drogenrausch geht nämlich außerhalb der Schutzzone munter weiter, wie Leserreporter-Fotos unmittelbar außerhalb der errichteten Schutzzone vom Donnerstag offenbaren.
Seit Jahren gilt der Bereich um die U6-Station Gumpendorfer Straße als Drogen- und Alkohol-Hotspot. Ab Freitag (8. Mai) gelten dort neue Regeln: Rund um die U6-Stationen werden Schutzzonen eingerichtet, ein Alkoholverbot soll für mehr Sicherheit und Ruhe sorgen.
Heftig umstritten bleibt, ob diese Maßnahmen das Problem lösen können oder nur verlagern. Eine erste Antwort aus dem Grätzel schien es bereits am Donnerstagnachmittag zu geben. Bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Regeln schien es innerhalb der ernannten Schutzzone ruhig zu sein, doch direkt außerhalb sah ein Leser am Donnerstagnachmittag Schockierendes.
Alkoholiker und Drogenkonsumenten zogen demnach aus diesem Bereich in nahegelegene Straßen. Besonders alarmierend: Der Leser beobachtete bei einem Spaziergang durch sein Grätzel am Donnerstag gegen 15.30 Uhr mehrmals Junkies – vor einer Volksschule, einer Pfarre, einem Diskonter sowie einem Markt.
Neben der Volksschule Sonnenuhrgasse beim Durchgang zur Liniengasse sah der Leser mehrere Drogenkonsumenten. Gegenüber eines Kindergartens und einem Diskonter in der Wallgasse sowie beim Wochenmarkt am Kurt-Pint-Platz "wird parallel gedealt und gesoffen", so der Anrainer. Die Grätzel-Tour hinterließ beim Wiener bleibenden Eindruck.
„Viele Drogenabhängige neben Kindern, die am Nachmittag von einer der vielen Schulen in der Nähe abgeholt werden. Keine Sozialarbeiter, keine Streetworker und keine Polizei weit und breit!“"Heute"-LeserBlickte einen Tag vor Inkrafttreten der Schutzzone besorgt durch sein Grätzel.
Schon bei einer "Heute"-Meinungsumfrage vor Ort zeigten sich viele Wiener kritisch gegenüber den Maßnahmen der Stadt Wien und der Polizei. "Da sind so viele Menschen mit Spritzen und Alkohol, es stinkt bis zur anderen Straßenseite. Die Junkies werden immer wieder kommen", meinte etwa ein junger Mann.
Ob dieser Umstand bei der Stadt Wien bereits bekannt ist, konnte man gegenüber "Heute" noch nicht beantworten. Seitens der Obmänner der VP-Mariahilf- und Rudolfsheim-Fünfhaus heißt es zeitgleich: "Dass jetzt erste echte Maßnahmen gesetzt werden, ist richtig und notwendig. Klar ist aber auch: Wir stehen erst am Anfang."
Besonders scharf kritisiert die ÖVP den bisherigen Umgang der Stadtregierung mit den Problemen rund um das Suchthilfezentrum Jedmayer. "Die Menschen im Grätzel wurden von SPÖ und Neos seit Monaten vertröstet. Sicherheitsgipfel angekündigt, dann abgesagt. Konzept versprochen, bis heute nicht geliefert. Jetzt gibt es endlich erste konkrete Maßnahmen. Das begrüßen wir ausdrücklich. Jetzt braucht es endlich auch eine Anrainerversammlung, damit die Betroffenen selbst zu Wort kommen", erklärt VP-Mariahilf-Obmann Gerhard Hammerer.
Ob die Maßnahmen langfristig für mehr Ruhe sorgen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Wir erinnern: Neben der Schutzzone rund um die Gumpendorfer Straße wurde auch ein Alkoholverbot am Westbahnhof ausgesprochen – die Reaktion: Jede Menge Alkoholflaschen vor einem Verbotsschild – "Heute" berichtete.