Für viele Pendler ist der tägliche Weg zur Arbeit bereits anstrengend genug – für eine Niederösterreicherin wurde er zuletzt zur absoluten Belastungsprobe. Statt wie gewohnt in rund eineinhalb Stunden braucht sie derzeit für die Strecke von Göpfritz an der Wild nach Wien im schlimmsten Fall sogar bis zu fünf Stunden.
Grund dafür sind umfangreiche Modernisierungsarbeiten auf der Strecke zwischen Wien und Gmünd. Seit Ende April ist ein Schienenersatzverkehr eingerichtet – und der sorgt für massiven Ärger.
"Ich muss jetzt um vier Uhr früh losfahren, damit ich überhaupt irgendwie rechtzeitig in Wien bin", schildert die Betroffene im Gespräch mit "Heute". Seit rund zwei Wochen herrscht auf ihrer Strecke absoluter "Ausnahmezustand", erzählt sie weiter.
Besonders schlimm: Statt einer direkten Zugverbindung muss die Pendlerin aktuell gleich mehrmals mit Ersatzbussen fahren und zusätzlich umsteigen. Die Busse würden teilweise nur alle 1,5 Stunden fahren. Verpasst man einen Bus, weil der vorherige Verspätung hatte, steht man eineinhalb Stunden mit zahlreichen anderen Pendlern an der Haltestelle.
"Man ist schon froh, wenn man überhaupt noch reinkommt", erzählt sie. Sitzplätze gebe es oft keine mehr, viele Fahrgäste müssten die gesamte Strecke stehen. Dabei kann sie auch nicht einfach ins Homeoffice wechseln: "Ich muss vor Ort arbeiten."
Besonders ärgerlich für die Niederösterreicherin: Sie zahlt 1.400 Euro für ihr Klimaticket – und verbringt nun täglich Stunden im Verkehrschaos.
Wenn alles gut läuft, brauche sie aktuell zweieinhalb Stunden bis nach Wien. Läuft es schlecht, werden daraus schnell fünf Stunden. "Im schlimmsten Fall bin ich erst um zehn Uhr in der Arbeit, arbeite bis 18 Uhr und komme erst gegen 23 Uhr nach Hause."
Die Belastung gehe mittlerweile auch psychisch an die Grenzen. Laut eigener Aussage habe sie sich sogar extra Urlaub nehmen müssen, um mit der Situation fertig zu werden. "Ich halte das nicht mehr aus!" Doch Sanierungsarbeiten sollen noch bis 9. Juni andauern.
Zusätzlichen Frust gab es laut der Pendlerin bei einem Telefonat mit der ÖBB-Hotline. Dort habe sie versucht, Kritik an der aktuellen Situation zu äußern. Doch auf ihre Beschwerden habe sie keine Hilfe erhalten – stattdessen sei ihr gesagt worden: "Dann fahren Sie halt mit dem Auto, wenn es Ihnen nicht passt."
Zwar verstehe sie, dass die Mitarbeiter am Telefon nicht direkt für die Probleme verantwortlich seien, eine solche Antwort empfinde sie aber als respektlos: "So etwas können die sich auch sparen." Die aktuelle Situation sei für Berufspendler schlicht nicht mehr zumutbar.
"Heute" sprach mit der ÖBB über die Beschwerden, die von Pendlern vermehrt geäußert werden. Seitens der ÖBB räumt man die Probleme offen ein, sie seien "bekannt und leider auch zutreffend". Wörtlich heißt es: "Dafür gibt es keine Ausrede."
„Wir nehmen die geschilderten Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Schienenersatzverkehr auf der Franz‑Josefs‑Bahn sehr ernst und bedauern die entstandenen Unannehmlichkeiten.“Klaus BaumgartnerÖBB Pressesprecher Oberösterreich
Ein großes Problem bleibt laut ÖBB das Zusammenspiel zwischen Bus- und Bahnverkehr. Zwar sei es grundsätzlich das Ziel, Anschlüsse zu sichern, bei größeren Verspätungen stoße das System aber an Grenzen.
Vor allem auf dem stark befahrenen Abschnitt zwischen Absdorf-Hippersdorf und Wien könne längeres Warten schnell zu weiteren Verzögerungen führen. Die Züge seien in fixe Umläufe eingebunden, ein verspäteter Anschluss könne dadurch viele weitere Fahrgäste treffen.
Um die Situation zu entschärfen, haben die ÖBB nun mehrere Maßnahmen gesetzt: Buslenker im Schienenersatzverkehr wurden nachgeschult. Die Fahrer sollen bei Problemen künftig direkt mit der Leitstelle Rücksprache halten.
Besonders bei verspäteten Zügen sollen Busfahrer – wenn betrieblich möglich – auf Fahrgäste warten. Zudem erhielt das Personal an den Bahnhöfen zusätzliche Schulungen zur Kundeninformation. Die Abläufe werden jetzt laufend überprüft und gegebenenfalls weiter angepasst.
Trotz aller Probleme betont die ÖBB die Notwendigkeit der Bauarbeiten. Der Ersatzverkehr sei erforderlich, um die historische Franz-Josefs-Bahn langfristig zu modernisieren und zu verbessern. Kurzfristig verlange die Situation allerdings "allen Beteiligten Geduld ab". Gleichzeitig versprechen die Bundesbahnen, weiter an einer Stabilisierung der Abläufe zu arbeiten.