Mitten im politischen Machtkampf im Kosovo eskaliert die Stimmung im Parlament. Premierminister Albin Kurti wurde am Samstag während einer Sitzung in Priština mit Eiern beworfen – Sicherheitskräfte mussten eingreifen.
Für die Attacke verantwortlich war die oppositionelle Abgeordnete Time Kadrijaj von der Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK). "Schäm dich!", rief sie, bevor sie Eier in Richtung des in der ersten Reihe sitzenden Regierungschefs schleuderte.
Sicherheitskräfte eilten daraufhin zu Kurti und schirmten ihn ab. Die Live-Übertragung aus dem Parlament wurde während des Tumults unterbrochen.
Der Premier zeigte sich nach dem Zwischenfall demonstrativ unbeeindruckt. Sollte das Werfen von Eiern der Preis für weitere Gespräche sein, "bin ich gerne bereit, ihn zu zahlen", erklärte Kurti.
Hinter dem Eklat steckt der anhaltende Streit über die politische Zukunft des Landes. Unmittelbarer Auslöser war Kurtis Ankündigung, für die Bildung einer neuen Regierung mehr Zeit zu benötigen.
Kurtis linksnationalistische Selbstbestimmungs-Partei (VV) war bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Juni als stärkste Kraft hervorgegangen. Für eine absolute Mehrheit reichte das Ergebnis allerdings nicht.
Damit gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Kurti führt bereits seit Tagen Gespräche mit den Oppositionsparteien. Seine bisherige Regierung ist wegen der politischen Blockade nur noch geschäftsführend im Amt. Zusätzlich ist für die Wahl eines neuen Präsidenten eine Zweidrittelmehrheit notwendig.
Die politische Krise im Kosovo zieht sich bereits seit mehr als einem Jahr. In diesem Zeitraum verfügt das Land über keine handlungsfähige Regierung.
Sollte es Kurti nicht gelingen, eine neue Regierung auf die Beine zu stellen, könnten dem Kosovo erneut Neuwahlen bevorstehen. Der Eierwurf im Parlament zeigt nun, wie aufgeheizt die Stimmung rund um die festgefahrene Regierungsbildung inzwischen ist.