Mehr Menschen in Schuldenfalle

Scheidung, Schicksale – So verschulden sich die Wiener

Die Zahl der Erstberatungen in der Wiener Schuldenberatung ist zuletzt deutlich gestiegen. Hinter vielen Fällen stehen persönliche Schicksale.
Wien Heute
13.07.2026, 10:33
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Ein Schicksalsschlag folgte dem nächsten: Angelina K. verlor bereits in jungen Jahren ihre Mutter an Krebs, kümmerte sich danach um ihren pflegebedürftigen Vater und musste gleichzeitig die hohen Begräbniskosten stemmen. Später verlor die heute 44-Jährige ihren Arbeitsplatz und zog zu ihrer Schwester nach Wien – doch auch sie starb unerwartet.

Mit den Jahren geriet Angelina K. immer tiefer in finanzielle Schwierigkeiten. Offene Rechnungen bei Versicherungen, Handyanbietern und weiteren Gläubigern summierten sich schließlich zu einem Schuldenberg mit mehr als 60 Gläubigern. 2024 wandte sie sich an die Schuldenberatung des Fonds Soziales Wien (FSW). Dort wird sie seither auf dem Weg durch den Privatkonkurs begleitet.

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Immer mehr Menschen suchen Hilfe

Mit ihrer Geschichte ist Angelina K. kein Einzelfall. 12.088 Menschen suchten 2025 Hilfe bei der Schuldnerberatung, die meisten davon Männer – und die Zahl steigt österreichweit. "Alleine in Wien haben wir im April ein Hoch mit 737 Neuanmeldungen erlebt, das ist eine Steigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", so FSW-Expertin Gudrun Steinmann. "Das heißt, wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Monaten und Jahren die Unterstützung der Schuldenberatungen stark nachgefragt sein wird."

Als Gründe nennt sie unter anderem Arbeitslosigkeit, hohe Lebenshaltungskosten und neue Formen des Online-Konsums. Vor allem junge Menschen seien gefährdet, sich unüberlegt zu verschulden. "Ich muss nicht mal mehr in eine Bank gehen, um einen Kredit für Konsumgüter abzuschließen, sondern kann mit wenigen Klicks alles online machen." Auch Bezahldienste nach dem Prinzip "Buy now, pay later" würden zunehmend zum Problem werden.

"Privatkonkurs macht man nicht im Vorbeigehen"

"In jedem Workshop des FSW-Finanzführerscheins gibt es Jugendliche die mit diversen Bezahldienstleistern bereits negative Erfahrungen gemacht haben und darüber berichten. Die Verlockung 'kaufe jetzt zahle später' wird unter anderem durch Influencer:innen verstärkt. Jugendliche sind sich des Risikos was passiert, wenn ich nicht pünktlich bezahle bzw. welche Risiken diese Ratenzahlungen haben, meist nicht bewusst", so Steinmann weiter. Auch die Teuerung spielt hier noch immer eine große Rolle.

Wer den Schritt in den Privatkonkurs wagt, braucht laut der Expertin vor allem Ausdauer. Dieser dauert drei bis sieben Jahre, zunächst müsse festgestellt werden, ob eine Person ver- oder überschuldet ist. Zweiteres bedeutet, dass man den Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. "Einen Privatkonkurs macht man nicht im Vorbeigehen. Er ist aber auch ein klarer Weg aus den Schulden", fasst Steinmann zusammen.

Expertin gibt Tipps

2025 waren Arbeitslosigkeit (5.123 FSW-Kunden), gescheiterte Selbstständigkeit (1.952 Kunden) und Scheidung (1.826 Kunden) die häufigsten Gründe für eine Überschuldung. Besonders häufig betroffen sind Menschen zwischen 40 und 49 Jahren sowie zwischen 30 und 39 Jahren.

Steinmann rät, finanzielle Probleme möglichst früh anzugehen. "Der beste Tipp ist es einen ehrlichen Finanzcheck zu machen. Welche Ausgaben und welche Einnahmen habe ich? Wie oft bestelle ich beim Lieferdienst? Wie oft gehe ich shoppen? Brauche ich den dritten Streamingdienst?" Am wichtigsten sei, sich lieber früher als später bei finanziellen Problemen an eine staatlich anerkannte Schuldenberatung zu wenden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.07.2026, 10:33
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