Ein Familienurlaub in Kroatien wurde für die Familie Nekrep aus der Südsteiermark zum Wendepunkt. Am 20. Juli 2025, einem Sonntag, erhielt Günter Nekrep den entscheidenden Anruf. Seine Eltern waren wie so oft im Sommer in der Region Zadar unterwegs, einem langjährigen Reiseziel der Familie. Der Vater wollte noch vor dem Frühstück schwimmen gehen und Brot holen – kehrte wenig später jedoch verändert zurück, nass und ohne die Fähigkeit zu sprechen.
Kurz nach dem ersten Vorfall kam es dennoch zu einem Telefonat zwischen Vater und Sohn. Trotz deutlich beeinträchtigter Sprache versuchte Josef Nekrep seinen Sohn zu beruhigen. "Es geht schon wieder, ich soll mir keine Gedanken machen", sagte er. Für Günter Nekrep sollte dieser Satz endgültig bleiben: "Das war das Letzte, was ich von meinem Vater gehört habe", sagt er in der "Kleinen Zeitung".
Am nächsten Tag reiste der Sohn nach Kroatien. Dort zeigte sich das ganze Ausmaß der medizinischen Krise: ein Aneurysma sowie Hirnblutungen verschlechterten den Zustand des 76-Jährigen massiv. Die Situation im Krankenhaus beschreibt Günter Nekrep als belastend. "Dreck ohne Ende, null Ausstattung", sagt er über seine Eindrücke vor Ort.
Mehrere Patienten hätten sich in einem Raum befunden, die Versorgung sei aus seiner Sicht unzureichend gewesen. Grundlegende Pflegeutensilien habe die Familie selbst organisieren müssen. In dieser Phase habe er auch gesagt: "Vati muss heim. Der stirbt da unten".
Josef Nekrep wurde schließlich nach Österreich zurückgebracht. Trotz intensiver medizinischer Behandlung, weiteren Hirnblutungen und langen Klinikaufenthalten blieb eine schwere neurologische Schädigung zurück. Der Mann, der zuvor selbstständig und arbeitsam gewesen war, fiel ins Wachkoma.
Heute wird der 76-Jährige in einem Pflegeheim in Gamlitz betreut. Für die Angehörigen bedeutet die Situation ein Leben in einer kaum greifbaren Zwischenwelt: Der Körper lebt, die Augen sind offen – doch eine klare Reaktion bleibt aus. "Ich tue mir schwer, in das Zimmer hineinzugehen", sagt sein Sohn. Nicht, weil die Bindung fehle, sondern weil die Situation emotional kaum auszuhalten sei.
Über seinen Vater spricht Günter Nekrep mit großer Wertschätzung. "Er ist und war mein Held", sagt er. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit, was im Inneren des Patienten tatsächlich wahrgenommen wird: "Hat er es mitbekommen oder ist es nur ein Reflex?"
Im Pflegealltag in Gamlitz steht die bestmögliche Versorgung im Vordergrund. Eine diplomierte Pflegekraft mit Intensiverfahrung erklärt: "Wachkomapatienten kriegen etwas mit, aber was genau, können wir nicht sagen." Entsprechend wichtig seien Ruhe, Zuwendung sowie eine umfassende pflegerische Betreuung – von Sondenernährung über Atemwegsversorgung bis zur Wundprophylaxe.
Für die Familie bleiben die Besuche emotional belastend. Günter Nekrep sitzt am Bett seines Vaters, spricht mit ihm, hält seine Hand. Die Momente sind kurz, oft schwer auszuhalten. Beim Gehen bleibt schließlich ein Satz, der Hoffnung und Zweifel zugleich trägt: "Ich hab dich lieb."