Wenn auf einer Spitalsstation pausenlos die Glocken läuten, ist das für Pflegekräfte kein Hintergrundgeräusch – sondern purer Stress. Ein Erfahrungsbericht aus einem OÖ-Ordensspital zeigt jetzt, wie hart ein Nachtdienst wirklich ablaufen kann.
"Die Station war voll belegt – 28 Patient:innen", schildert die Pflegekraft. Darunter seien schwer kranke Menschen gewesen: frisch Operierte, Patienten mit mehreren Erkrankungen gleichzeitig, dazu Menschen mit Schmerzen, Angst und komplizierten Krankheitsverläufen. Besonders belastend: "Ich war die einzige examinierte Pflegekraft in dieser Nacht" – und damit allein verantwortlich "für 28 Patient:innen und für unsere Schülerin".
Wie angespannt die Lage war, zeigte sich bei einem Patienten, der seit Tagen immer wieder schwere Angstzustände hatte. Dazu kamen Herzbeschwerden und stark erhöhter Blutdruck. Auch in dieser Nacht musste rasch gehandelt werden. Der Arzt wurde informiert, Untersuchungen eingeleitet, Blut abgenommen.
"Während wir versorgten, klingelten 27 andere Patient:innen weiter", heißt es im Bericht. Gleichzeitig mussten Medikamente vorbereitet, Bestellungen erledigt und alles genau dokumentiert werden. "Dieser Druck ist enorm", schreibt die Pflegekraft – "und er ist kein Einzelfall".
Dann eskalierte die Situation plötzlich. Kaum war kurz Zeit für Dokumentation, läutete es erneut – fast gleichzeitig auch im Zimmer gegenüber. Die Schülerin ging nachsehen, kam aber Sekunden später zurück. "Der Patient blutet", sagte sie angespannt. Als die Pflegekraft ins Zimmer kam, war sofort klar: Die Situation ist lebensbedrohlich.
Sofort wurde der Notruf ausgelöst, Unterstützung kam von der Nachbarstation, der Arzt wurde verständigt. Doch es blieb keine Zeit zum Zögern: Noch direkt auf der Station musste mit der Wiederbelebung begonnen werden. "Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten. Kommandos. Druck. Konzentration."
Der Patient konnte zunächst stabilisiert und in den OP gebracht werden. Doch währenddessen lief der Alltag weiter – die anderen Patienten warteten, klingelten, brauchten Hilfe. Die Schülerin war wieder alleine unterwegs. "Ich hatte keine Möglichkeit, sie zu unterstützen. Keine Zeit, ihr zu erklären, was geschah."
Was bleibt, ist Frust und Überforderung: "Zu wissen, dass man den Patient:innen nicht gerecht wird. Zu wissen, dass man den eigenen professionellen Ansprüchen nicht gerecht wird." Ein Gefühl, das wie berichtet viele in der Pflege kennen. Der geschilderte Nachtdienst macht deutlich, warum der Frust in vielen Spitälern zuletzt so groß war.
Hinter den Kulissen lief monatelang ein harter Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, mehr Entlastung und mehr Geld. Ende März dann die Einigung: Nach zähen Verhandlungen und Streiks nahmen rund 10.000 nicht-ärztliche Beschäftigte den Kollektivvertrags-Deal mit großer Mehrheit an.