Der Alltag in einer Notaufnahme in Oberösterreich zeigt, wie schnell sich Situationen zuspitzen können. Eine Pflegerin aus einem der Ordensspitäler schildert eindrücklich: "Wir sehen jeden Tag schwerkranke, aber auch scheinbar stabile Patient:innen." Genau darin liege die Gefahr – denn was harmlos wirkt, kann binnen Stunden lebensbedrohlich werden.
Mit einem Harnwegsinfekt und "schlechten Laborwerten" kam eine Frau mittleren Alters in die Notaufnahme eines Spitals. Bei der Aufnahme wirkte sie noch stabil, bekam Schmerzmittel, eine Blutabnahme, ein EKG und wurde ans Monitoring angeschlossen. Nichts deutete zunächst auf eine akute Krise hin.
Doch währenddessen lief der Betrieb auf Hochtouren: Zwei Pflegekräfte kümmerten sich um mindestens 18 Patienten. "Klingeln. Fragen. Übergaben. Dokumentation – Zeit wurde zur knappsten Ressource", so die Pflegekraft. Für genaue Beobachtung bleibe oft kaum Raum.
Genau dann wurde es plötzlich kritisch: "In dieser Phase entwickelte die Patientin unbemerkt ein septisches Krankheitsbild." Die sogenannte "Golden Hour" sei entscheidend: Wird die Sepsis früh erkannt und behandelt, sinkt das Risiko eines Schocks deutlich. Aber: "Bleibt die Sepsis in dieser entscheidenden Phase unerkannt, steigt das Risiko für Multiorganversagen dramatisch an."
Vier Stunden nach der Schichtübergabe zeigte sich schließlich das ganze Ausmaß: Die Spätschicht fand "eine kaltschweißige Patientin im manifesten septischen Schock vor – bereits im beginnenden Multiorganversagen". Sie musste umgehend im Schockraum intubiert und anschließend auf die Intensivstation verlegt werden.
Die Pflegerin ist sich sicher: Mit ausreichend Personal wäre eine engmaschigere Überwachung möglich gewesen. Regelmäßige Kontrollen der Vitalwerte, kurze Re-Evaluierungen und ein genauer Blick auf Veränderungen könnten entscheidend sein: "Die Sepsis wäre wahrscheinlich rechtzeitig erkannt worden. Die Verschlechterung wäre aufgefallen", so die Einschätzung.
Parallel zu solchen Fällen lief im Hintergrund monatelang ein harter Streit um bessere Arbeitsbedingungen. Ende März kam es schließlich zu einer Einigung: Nach mehreren Verhandlungsrunden und Streiks nahmen die rund 10.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten den Kollektivvertrags-Deal mit großer Mehrheit an.