Aggression im Spital

Spucken, Beschimpfen: Gewalt gegen Pfleger nimmt zu

Ärzte und Pflegepersonal werden im Spital immer öfter attackiert. Besonders betroffen sind Frauen und Mitarbeiter mit Migrationsgeschichte.
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12.03.2026, 08:01
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Beschimpfungen, Aggressionen, sogar körperliche Übergriffe: Für viele Beschäftigte im Spital gehört das mittlerweile zum Alltag. Pflegekräfte und Ärzte berichten immer häufiger von Angriffen durch Patienten oder deren Angehörige.

"Erst gestern hatten wir im Spätdienst so einen Fall", erzählt Bärbel Reiter der Kleinen Zeitung. Sie arbeitet bei den Barmherzigen Brüdern in Graz in der Aufnahme der HNO-Ambulanz. Ein Patient sei extrem ungeduldig gewesen. "Zuerst hat er unser Haus massiv beschimpft, mit Wörtern, die will ich gar nicht wiedergeben. Und dann hat er einfach vor mich hingespuckt."

"Sonst wohin schieben!"

Auch ihre Kollegin Valentina Salihi kennt solche Situationen nur zu gut. Ihr wurden bereits Überweisungen und sogar ein Patientenarmband ins Gesicht geworfen. "Der Patient hat sich dann umgedreht und ist mit den Worten 'den Termin können Sie sich sonst wohin schieb'n' aus der Ambulanz gestürmt."

Ungehalten, respektlos und aggressiv: Dieses Verhalten nimmt laut Spitalspersonal zu. Besonders häufig trifft es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationsgeschichte. "Ja, wir sehen eine Verstärkung dieser Aggressionen", sagt Marianna Stettin, ärztliche Leiterin bei den Barmherzigen Brüdern Graz in der Kleinen Zeitung.

Erst vor Kurzem kam es zu einem besonders drastischen Vorfall. Ein älterer Patient wartete in der Nachsorgeambulanz, als er eine Pflegekraft mit Hijab sah. Noch bevor er aufgerufen wurde, begann er, sie rassistisch zu beschimpfen. Die Situation eskalierte so stark, dass schließlich ein Hausverbot ausgesprochen werden musste.

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Die betroffene Pflegekraft wollte selbst nicht darüber sprechen. "Der Kollegin war das unangenehm, sie wollte keine große Sache draus machen", sagt Stettin. "Aber es ist eine große Sache."

Körperliche Gewalt gehört zum Alltag

Deshalb überlegt das Spital nun, wie Mitarbeiter besser geschützt werden können. Eine Ombudsstelle ist im Gespräch. Schulungen zur Deeskalation gibt es bereits. Auch sogenannte Resilienzangebote werden angeboten.

Zahlen zeigen, wie häufig solche Vorfälle sind. Laut einer Umfrage der Ärztekammer berichten fast zwei Drittel der steirischen Spitalsärzte von verbaler Gewalt im Dienst. Ein Viertel gibt an, bereits körperliche Gewalt erlebt zu haben.

Am Univ.-Klinikum Graz werden Vorfälle deshalb genau dokumentiert. Mitarbeiter können Übergriffe über ein internes Online-Tool melden. Im Jahr 2025 wurden dort 76 Vorfälle gemeldet, weitere 68 meldete das Sicherheitspersonal.

Oft entzünden sich Konflikte an langen Wartezeiten. Auch Alkohol- oder Drogenkonsum spielt laut Spital eine Rolle. In der Notaufnahme ist deshalb seit 2024 rund um die Uhr Sicherheitspersonal im Einsatz.

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