Garnelen beim Gehsteig, verschimmeltes Brot im Park, ein ganzes mariniertes Hendl in der Wiese – wer durch die Landeshauptstadt spaziert, braucht teilweise einen starken Magen. Eine engagierte Bürgerin dokumentiert seit eineinhalb Jahren über die App "Schau auf Linz", was sich im öffentlichen Raum ansammelt – und ihre Bilanz ist deutlich: "Es ist einfach nur widerlich."
Was die Bewohnerin schon alles entdeckt hat, lässt wohl sogar Hartgesottene schlucken: Kartoffelsalat mit Mayonnaise, Faschiertes, Nudeln mit Sauce, schimmeliges Gebäck – praktisch ein ganzes Mittagessen achtlos auf der Wiese entsorgt.
Neben dem unappetitlichen Anblick würden die Essensreste auch ein gesundheitliches und hygienisches Risiko darstellen. "Vielen Menschen scheint gar nicht bewusst zu sein, dass sie damit die Umwelt verschmutzen und die Böden belasten", sagt die Frau gegenüber "Heute". "Das ist kein harmloses Wegwerfen, sondern schlicht verantwortungslos."
Die Stadt solle "die Menschen vielleicht mit ihren tollen Schildern einmal darauf aufmerksam machen, dass sie damit mehr Schaden anrichten als irgendetwas Gutes tun", fordert die 44-Jährige. Sie vermutet, dass es vielen wahrscheinlich nur darum ginge, Essen billig zu entsorgen. "Dabei wäre der Biomüll die hygienischere und nachhaltigere Lösung für die Umwelt."
Für die City sei der Anblick kein gutes Aushängeschild: "Und das in einer Stadt, die sich mit dem Slogan 'Take a risk – visit Linz' bewirbt", merkt sie an. "Ja, wirklich: Wer hier spazieren geht, geht ein Risiko ein – kein Abenteuer, sondern die Begegnung mit einem Stadtbild, das einfach nur beschämend ist."
Dabei gebe es laut der Linzerin einfache Lösungen: "Ein paar Stunden Ordnungsdienst an den bekannten Brennpunkten. Eine Kamera. Ein bisschen Interesse." Doch statt Taten gebe es nur Zuständigkeitsfragen: "Mal heißt es, das sei Sache des Magistrats, mal der Linz AG."
Tatsächlich verantwortlich sind dafür die Geschäftsbereiche Stadtgrün und Straßengestaltung (SGS) sowie Bürger*innen-Angelegenheiten des Magistrats. "Heute" fragte nach: Meldungen zur Reinigung via "Schau auf Linz" würden "in der Regel innerhalb eines Tages beantwortet" und einfache Verschmutzungen meist ebenso rasch beseitigt, hieß es auf Anfrage. "Es ist bedauerlich, wenn der Eindruck entsteht, es werde nicht schnell genug reagiert."
Die meisten sichtbaren Verunreinigungen seien "das Resultat kaum vorhersehbarer Verhaltensweisen" – so könne es trotz häufiger Reinigung immer wieder schnell schmutzig werden. "An solchen Brennpunkten kann der Eindruck entstehen, dass kaum gereinigt wird. Tatsächlich erfolgen an bekannten Brennpunkten aber verstärkte Reinigungseinsätze."
Die Stadt verweist auf bereits laufende Maßnahmen: In der City sei etwa ein Mitarbeiter zu Sonderzeiten unterwegs, um den hohen Bedarf zu decken. Zudem setze Linz auf Kampagnen, Pfandringe und Mitmach-Aktionen. Auch Sensibilisierungsprojekte sollen helfen. Gleichzeitig appelliert die Stadt an alle Linzer, selbst Verantwortung zu übernehmen.