Neuer Satellit deckt alles auf

"Schlimmer als gedacht": Putin stört GPS in ganz Europa

Ein neuer Test-Satellit zeigt massive GPS-Störungen über Europa und im Nahen Osten – diese hat nicht nur Folgen auf der Erde, sondern auch im All.
Newsdesk Heute
22.06.2026, 19:55
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Ein Satellit blickt aus dem All auf die Erde – und entdeckt ein Problem, das viel größer ist als gedacht. Der Versuchssatellit Pulsar-0 der US-Firma Xona Space Systems hat erstmals großflächig GPS-Störungen über Europa und dem Nahen Osten aus dem All vermessen. Besonders betroffen sind Regionen von Frankreich im Westen Europas bis an die Grenzen Pakistans im Osten.

Die Daten überraschten das Team. Über Nordamerika sei das GPS-Signal laut Xona-Mitgründer Kaz Gunning gegenüber "Space.com" stabil gewesen. Über Europa habe man dagegen sofort gesehen: Da stimmt etwas nicht. In besonders stark betroffenen Gebieten fiel die Signalstärke in rund 500 Kilometern Höhe von etwa 40 auf nur noch 10 Dezibel ab.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Hintergrund sind sogenannte GNSS-Störungen. Dabei werden Navigationssignale auf ihrem spezifischen Frequenzband entweder mit "Rauschen" oder durch falsche Positionsdaten überlagert. Russland gibt zu, terrestrisch ein "Rauschen" zur Abwehr ukrainischer Drohnen zu senden. Doch das wahre Ausmaß geht weit über die offizielle Kreml-Darstellung hinaus.

Das Problem betrifft längst nicht nur Autofahrer oder Handy-Navigation. Auch Stromnetze, Finanzsysteme, Bohrinseln, Flugzeuge und Schiffe hängen an präzisen Zeit- und Positionsdaten, die so bestimmt werden.

Pulsar-0, der seit Juni 2026 die Erde umkreist, hat neue Einblicke in das Ausmaß der GNSS-Störungen auf der Erde verschafft und gezeigt, dass die Signale in umkämpften Regionen – Europa und der Nahe Osten – mehr als zehnmal schwächer sind.
Xona

Besonders brisant: Auch Satelliten im niedrigen Erdorbit sind offenbar nicht sicher. Sie brauchen GPS, um ihre eigene Position zu bestimmen, Antennen korrekt auszurichten oder Kollisionen zu vermeiden. Fällt das Signal aus, kann das etwa Erdbeobachtungssatelliten oder große Satellitennetze wie Starlink treffen.

Xona will genau dieses Problem lösen. Die geplante Pulsar-Flotte soll aus rund 300 Satelliten im niedrigen Erdorbit bestehen und ein Signal liefern, das laut Unternehmen bis zu 100 Mal stärker ist als klassische GNSS-Signale. Dadurch sollen Störsender nur noch einen deutlich kleineren Bereich lahmlegen können.

Das Unternehmen sammelte im März 2026 rund 170 Millionen Dollar ein. Im Oktober sollen weitere sechs Satelliten starten, ein erster Basisdienst ist für 2027 geplant.

Russischer Satellit sendet Störsignal

Erst kürzlich hatten die US-amerikanische Forscher Todd Humphreys und Zachary Clements, Russland als Quelle für eine seit Jahren immer wieder auftretende GPS-Störung – ebenfalls nur über Europa – identifiziert. Im Zeitraum zwischen 2019 und April 2026 wurde in den Daten von Bodenstationen mit GNSS-Empfängern ein Muster von starken Störimpulsen entdeckt. Kurioserweise nur an Arbeitstagen und zu europäischen Bürozeiten.

Über die minimale Verzögerung, mit der das nur wenige Sekunden dauernde Signal, bei den unterschiedlichen Bodenstationen auftraf, gelang es, die Quelle im All zu triangulieren. An der ermittelten Position befand sich in jedem Fall der Satellit Kosmos 2546 oder eines seiner fünf Geschwister. Sie sind Teil der EKS-Konstellation, die zum russischen Frühwarnsystem vor Interkontinentalraketen gehört. Sie senden normalerweise in einem völlig anderen Frequenzband, nur die kurzen Störimpulse sind im Bereich der GPS-Signale.

Ihre Ergebnisse stellten Humphreys und Clements unter anderem dem populären YouTube-Kanal Veritasium vor, Anfang Juni wurden sie zudem als Preprint Paper veröffentlicht.

Auswirkungen wären enorm

Über die Hintergründe kann derzeit nur spekuliert werden, ein Zufall seien die Störimpulse jedoch nicht: "Ich neige dazu zu glauben, dass es sich um einen regelmäßigen Test einer Fähigkeit handelt, die im Ernstfall sehr verheerende Folgen hätte", äußerte Humphreys vorsichtig seine düstere Einschätzung.

Ein anderes Team, das von ihnen völlig unabhängig ebenfalls die russischen Satelliten als Quelle identifiziert hat, hegt jedoch eine andere Vermutung. Richard Bowden vom Raumfahrtunternehmen GMV hält fest: "Es wäre eher merkwürdiges Verhalten, sowas ständig zu testen. Unsere alternative Theorie lautet daher, dass es sich bei diesen Signalen tatsächlich um sehr kurze, sehr knappe und sehr spezifische Kommunikationsnachrichten handeln könnte, die von diesen Satelliten stammen."

Dass diese auf den GPS-Frequenzen geschickt werden, hätte für Russland einen Vorteil: In einem Konflikt mit dem Westen wären diese vergleichsweise sicher vor Störung durch die Gegenseite.

Egal, was wirklich dahintersteckt, ein erschütterndes Faktum bleibt bestehen: Die nur durch Zufall entdeckten Störimpulse waren unglaublich kurz. Sollte dieses System jedoch jemals vollständig in Betrieb genommen werden, wären die Auswirkungen auf den Alten Kontinent enorm.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.06.2026, 19:55
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