Schluss mit Schnäppchen, Billigpakete werden teurer

Das Aus der 22-Euro-Grenze für Sendungen aus EU-Drittstaaten fällt im Juli.
Das Aus der 22-Euro-Grenze für Sendungen aus EU-Drittstaaten fällt im Juli.Unsplash
Eine Ära geht zu Ende: Der Freibetrag von 22 Euro bei Paketsendungen entfällt ab Juli. China-Schnäppchen und Co. kannst du dir dann nicht mehr holen.

Bereits 2020 wurde die Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze bei Online-Bestellungen aus Drittländern beschlossen, am 1. Juli tritt sie in Kraft. Ab dem 1. Juli 2021 sind somit alle Sendungen durch den Händler dem Zoll zu stellen, eine Anmeldung abzugeben und Abgaben zu bezahlen. Grund ist auch, dass die Coronapandemie den "rasanten Anstieg des Online-Handels weiter beschleunigt" habe, so das Bundesministerium für Finanzen. Von 2019 auf 2021 habe sich die Anzahl der Paketabfertigungen für den österreichischen Zoll verdoppelt.

Bisher wurde auf Paketsendungen unter dem Wert von 22 Euro keine Einfuhrumsatzsteuer erhoben, "was zu massiven Umgehungsversuchen geführt hat", so das Ministerium. Versender hätten bewusst einen niedrigeren Warenwert angegeben, um keine Einfuhrumsatzsteuer abführen zu müssen. Bei drei Viertel aller Pakete unter 22 Euro sei in der Vergangenheit der Warenwert zu niedrig angegeben gewesen, so das Ministerium. Das hat nun ein Ende, denn die Regelungen kommen ab einem Wert von nur einem Cent zu tragen.

Welche neuen Kosten entstehen

Da künftig auch Kleinsendungen der Einfuhrumsatzsteuer unterliegen, müssen bei fehlenden Wertangaben auf Sendungen Dokumente durch die Empfängerinnen und Empfänger nachgereicht werden. Details dazu sind auf der Homepage der Österreichischen Post abrufbar. Ausnahmen gibt es bei der reinen Privatversendung, also wenn etwa eine Tante aus den USA einen Pullover an einen Empfänger in Österreich schickt. Vorbei sind allerdings die Billig-Schnäppchen aus China, denn vermutlich werden sie die zusätzlich anfallenden Gebühren den Kunden aufschlagen.

Konkret werden unabhängig vom Sachwert der Waren 20 Prozent Mehrwertsteuer und der vom Expressdienst oder der Post für die Abwicklung der Verzollung in Rechnung gestellten Manipulationsgebühr, auf welche die Zollbehörde keinen Einfluss hat, dazukommen. Bei einem Sachwert über 150 Euro fallen auch Zölle im Ausmaß von rund 5 bis 10 Prozent des Sachwertes je nach Art der Ware an. 

Was wirklich alles teurer wird

Bei einem Kaschmirpullover aus China mit einem Sachwert von 160 Euro fallen schon jetzt 16 Euro Zoll (10 Prozent) plus 35,20 Euro Einfuhrumsatzsteuer plus etwa 10 Euro (geschätzte Kosten) Manipulationsgebühr an. Macht insgesamt Zusatzkosten in der Höhe von 61,20 Euro bei der Einfuhr nach Österreich und stellt keine Änderung ab dem 1. Juli dar.

Bei Kopfhörern aus China mit einem Sachwert von 20 Euro fallen 0 Euro Zoll plus vier Euro Einfuhrumsatzsteuer plus etwa 5 Euro (geschätzte Kosten) Manipulationsgebühr an. Das ergibt künftig Zusatzkosten neun Euro im Gegensatz zu bisher 0 Euro, weil noch bis 30. Juni Sendungen mit einem Sachwert unter 22 Euro abgabenfrei sind und auch keine Zollanmeldung abgegeben oder Verzollung durchgeführt werden muss. Teurer wird es also vor allem für günstige Bestellungen aus dem Ausland, im Fall der China-Kopfhörer werden dann statt 20 Euro bereits 29 Euro fällig – sofern die Verkäufer die gestiegenen Kosten an die Käufer weitergeben, wovon auszugehen ist.

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