Helmut S. und seine Frau sind große Fans von Helene Fischer. Auf das Konzert am 11. Juli im Wiener Ernst-Happel-Stadion freuten sie sich lange. Von der Show sind sie bis heute begeistert. Doch ein Vorfall überschattete den Konzertbesuch.
Beide haben ein Handicap, sie besitzen jeweils einen Behindertenpass, laut Helmut ist darin jeweils ein Behinderungsgrad von 80 Prozent eingetragen. Ihre Einschränkungen sind allerdings nicht sofort zu erkennen.
"Ich bin herz- und zuckerkrank“, sagt Helmut im Gespräch mit "Heute", "aber man sieht es mir nicht an und so muss ich öfters leiden."
Vor allem längeres Gehen und auch Sitzen bereitet dem Ehepaar Probleme. Auch Stufen seien für die beiden nur schwer zu bewältigen. Deshalb hatte Helmut zwei Sitzunterlagen in seiner Tasche dabei, um die harten Sitze im Stadion erträglicher zu machen.
Bei der Kontrolle am Eingang wurden die Sitzunterlagen entdeckt. Ein Security-Mitarbeiter kontrollierte Helmut, schließlich schaltete sich laut seiner Schilderung auch eine Vorgesetzte ein. Helmut zeigte seinen Behindertenpass vor. Trotzdem durfte er die beiden Sitzkissen nicht mit ins Stadion nehmen.
"Das hat sich schrecklich angefühlt", sagt er zu "Heute". Die Vorgesetzte habe ihn gefragt: "Haben Sie ein ärztliches Attest?" Genau das konnte Helmut nicht vorweisen. Für seine Sitzunterlagen gebe es ein solches nicht, erklärt er. Nach einem Hin und Her musste er die Kissen abgeben.
Nach seiner Schilderung saßen die beiden rund vier Stunden auf den harten Sitzen im Stadion. Für das Ehepaar seien die vier Stunden auf den harten Sitzen zur Tortur geworden. Zwischendurch aufstehen, um den Körper zu entlasten, sei aufgrund ihrer Einschränkungen nicht möglich gewesen. "Das schaffen wir einfach nicht, das ist für uns ein Riesenproblem", sagt Helmut.
„Das tut uns sehr weh“Helmut S.Helene-Fan
Genau deshalb hatte er die weichen Unterlagen zum Konzert mitgenommen: "Wir können eben nicht gescheit stehen. Das tut uns sehr weh."
Nach dem Konzert wollte Helmut seine Sitzunterlagen wieder abholen. Die Security-Vorgesetzte hatte ihm zuvor gesagt, er könne sie nach der Show wieder haben. Doch dazu kam es nicht mehr. Helmut fragte – so erzählt er es uns – beim Verlassen des Stadions eine andere Security-Mitarbeiterin nach der Vorgesetzten, kam dabei aber nicht weiter.
"Jetzt haben wir die Sitzkissen nicht mehr. Die kosten 40 Euro pro Stück", sagt Helmut.
"Heute" fragte mehrmals im Laufe von fast zwei Wochen beim deutschen Konzertveranstalter nach. Eine inhaltliche Antwort auf die Vorwürfe gab es bisher nicht.
Helmut S. lässt das Erlebte bis heute nicht los: "Das war extrem."