Drei Tote in Montreal

Schüsse in jüdischem Viertel – Polizei tötet Falschen

Nach Notrufen wegen Schüssen vor einem Hotel rückte die Polizei aus. Bei dem Schusswechsel starben ein Polizist, ein Passant und der Schütze.
Nick Wolfinger
23.06.2026, 13:04
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Die dramatischen Szenen spielten sich Montagvormittag gegen 11.35 Uhr (Ortszeit) im Stadtteil Côte-des-Neiges im Westen der kanadischen Metropole Montreal ab. Bei der Polizei ging ein Notruf ein, weil ein Mann mit einer Langwaffe aus einem Fenster eines Hilton-Hotels gesehen worden sein soll.

Angreifer tötet Polizisten

Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, kam es zu einem Schusswechsel. Augenzeugen berichteten von dutzenden Schüssen. Der Täter soll mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnet gewesen sein. Dabei wurde der 34-jährige Polizist Mohamed Lamine Benredouane tödlich getroffen.

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Seine geschockte Kollegin, die Zeugin des Vorfalls wurde, ging hinter einem Betontrog in Deckung. Kurz darauf kam es zu einer tödlichen Verwechslung.

Polizistin schießt auf Falschen

Als der Angreifer hinter einem Beton-Pflanztrog in Deckung geht um nachzuladen, erhebt sich ein Zivilist in einem schwarzen T-Shirt aus seinem Versteck und entfernt sich vom Standort des Schützen – wie auf Videos aus benachbarten Hochhäusern zu sehen ist.

Dabei passiert er die Stelle, an der die Polizistin hinter einem Beton-Pflanztrog am Boden hockt. Die Beamtin schreckt sichtlich auf und richtet ihre Pistole auf den Mann. Kurz darauf fällt der Zivilist zu Boden. Auf den Aufnahmen sind unmittelbar davor zwei Schüsse zu hören.

Passant war Gemeindemitglied

Bei dem Passanten handelte es sich um den 68-jährigen Michael Moshe Mizrahi. Der Mann war ein bekannter Angehöriger der örtlichen jüdischen Gemeinschaft. Ob er tatsächlich durch Schüsse der Polizistin starb oder ob er vom Angreifer getötet wurde, ist noch Gegenstand der Ermittlungen und somit nicht endgültig geklärt.

Auch die Beamtin wurde in dem Schusswechsel getroffen und schwer verletzt, befindet sich mittlerweile aber in stabilem Zustand.

Angreifer war "Incel"

Der Schütze wurde schließlich von der Polizei erschossen. Nach Angaben der Behörden handelte er allein. Ein terroristischer Hintergrund wird derzeit ausgeschlossen.

Der mutmaßliche Attentäter bei einem Schusswaffenangriff in Montréal war einem Medienbericht zufolge Anhänger der frauenfeindlichen Incel-Bewegung. Der Schütze habe ein Incel-"Manifest" hinterlassen, berichtete am Montag der Rundfunksender Radio Canada. Die Polizei äußerte sich dagegen zunächst nicht zu möglichen Motiven oder Hintergründen.

Die Tat erschüttert Kanada schwer: Zum ersten Mal seit 24 Jahren wurde in Montreal wieder ein Polizist im Dienst getötet. Die Ermittler prüfen nun, ob der Mann von der Polizistin mit dem Schützen verwechselt wurde.

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