16 Justizwachebeamte führten Montagfrüh zehn Angeklagte, allesamt Syrer, in den Saal 303 am Wiener Landl. Wieder einmal ging es um "gekränkte Ehre". Bei einer darauffolgenden Racheaktion im Wasserpark Floridsdorf wurden vier Opfer von rund 20 Männern mit Eisenstangen und Messern attackiert. Ein 14-Jähriger wurde dabei besonders schwer verletzt, überlebte nur knapp.
Die Angeklagten bekannten sich zu Prozessbeginn am Montag "nicht schuldig", wollen Opfer einer Verwechslung geworden sein. Zur Tatzeit am 19. November gegen 18 Uhr war es schon finster. "Die Burschen sehen sich alle schon sehr ähnlich", so ein Verteidiger. Die Anklage sei bloß "eine Theorie". Die Hälfte der Verdächtigen sei nie gefasst worden – darunter auch der mutmaßliche Haupttäter. Er soll auf der Flucht sein, in einer Chatgruppe Leute für die Attacke zusammengetrommelt haben.
Zum Einsatz gekommen sein sollen unter anderem Stöcke, Schlagringe, eine Schreckschusspistole, Pfefferspray und Messer. Mehrere Verdächtige konnten unerkannt flüchten, zehn sitzen nun auf der Anklagebank.
Neben absichtlich schwerer Körperverletzung geht es auch um einen Mordversuch. Die Staatsanwältin sprach von einer "massiven Gewaltattacke". Auslöser soll ein Streit zwischen einem Opfer und dem mutmaßlichen Anführer der Gruppe gewesen sein. Dieser habe eine angebliche "Ehrverletzung" nicht auf sich sitzen lassen wollen und laut Staatsanwältin eine "gewaltige Abreibung" geplant.
„Ich kannte so etwas nur aus Syrien. In Wien habe ich vorher noch nie Schüsse gehört!“Ein Angeklagter (20)am Wiener Landesgericht
Über eine Chatgruppe soll er Freunde dazu aufgerufen haben, am 19. November um 17 Uhr bewaffnet zu der Moschee in Floridsdorf zu kommen. Der mutmaßliche Drahtzieher ist auf der Flucht, stand deshalb nicht vor Gericht. Zwei seiner Brüder saßen auf der Anklagebank. Das spätere Opfer wurde für 17.30 Uhr zu einem Treffen beim Skaterplatz im Wasserpark bestellt. Der junge Mann rechnete laut Anklage nur mit einer Aussprache, nahm deshalb seinen jüngeren Bruder sowie zwei Freunde, darunter einen 14-Jährigen, mit.
Doch stattdessen gab es Prügel. Die Angreifer hätten sofort auf die vier Burschen eingeschlagen. Es fielen Schüsse. Besonders schwer verletzt wurde ein damals 14-Jähriger. Laut Staatsanwaltschaft wurde er zunächst mit einem Stock geschlagen. Anschließend soll ihm ein Angeklagter in den Rücken gestochen haben.
Nach dem Vorfall flüchtete die Gruppe. Zehn Verdächtige wurden festgenommen, sitzen seither in U-Haft. Die Beschuldigten sollen von den Opfern und Zeugen erkannt worden sein. Die jungen Männer bekannten sich am Montag nicht schuldig. Sie hätten sich lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort befunden.
"Ich bin im Wasserpark herumspaziert, plötzlich habe ich Schüsse gehört", so der Erstangeklagte (20). "Ich kannte so etwas nur aus Syrien. Dann bin ich weggelaufen." Mit der Tat will er nichts zu tun haben.
Zwei der Angeklagten sind bereits vorbestraft, die übrigen gelten als unbescholten. Im Publikum saßen zahlreiche Angehörige und Freunde der Angeklagten, darunter Kinder. Der Prozess ist bis 27. Juli angesetzt. Bereits am 30. Juni sollen die Opfer unter strengen Sicherheitsvorkehrungen vor Gericht aussagen. Die Unschuldsvermutung gilt.