Unverschämt: Nur wenige Wochen nach einem ersten Skandal-Test verkauft der Online-Modehändler SHEIN erneut dieselben oder nahezu identischen Produkte mit gefährlichen und teils verbotenen Chemikalien. Das zeigt ein aktueller Nachtest der Umweltschutzorganisation Greenpeace.
Die Ergebnisse sind alarmierend: 81 Prozent der erneut bestellten Artikel überschreiten wieder EU-Grenzwerte. Besonders häufig fanden die Labore die Ewigkeitsgifte PFAS, weiters synthetische Weichmacher sowie die Schwermetalle Cadmium und Blei. Insgesamt wurden 18 Grenzwertüberschreitungen festgestellt.
Besonders betroffen sind Jacken mit PFAS. Diese Stoffe bauen sich kaum ab und reichern sich in der Umwelt und im Körper an. Von elf getesteten Jacken überschritten neun erneut die EU-Grenzwerte. Eine Damenjacke lag sogar mehr als 3.000-fach über dem erlaubten Wert.
PFAS stehen im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen und Krebs zu verursachen. Einige dieser Stoffe sind in der EU bereits verboten oder stark eingeschränkt. Trotzdem tauchten diese Chemikalien im Greenpeace-Test erneut in mehreren SHEIN-Jacken auf.
Greenpeace hatte im Dezember 2025 insgesamt 31 Produkte nachbestellt, die bereits im Herbst wegen Grenzwertüberschreitungen beanstandet worden waren. SHEIN hatte damals zugesagt, die Artikel aus dem Shop zu entfernen. Wenige Wochen später waren jedoch identische oder nahezu identische Produkte wieder online - teilweise sogar beim selben Händler.
Das Problem liegt laut Greenpeace auch im Geschäftsmodell des Konzerns. SHEIN tritt als Marktplatz auf, auf dem zahlreiche Händler ihre Ware anbieten. Viele Käufer glauben jedoch, direkt beim Unternehmen einzukaufen. Tatsächlich wird die Kleidung oft direkt von Herstellern aus Drittstaaten verschickt.
Damit gelten Konsumenten rechtlich häufig selbst als Importeure. Sie sind somit dafür verantwortlich, dass die Ware den EU-Vorschriften entspricht. Im schlimmsten Fall importieren sie unwissentlich sogar illegale Produkte.
Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich, kritisiert: "SHEIN hat einzelne verbotene Produkte aus dem Shop entfernt, aber kurz darauf landen sie wieder im digitalen Warenkorb. Das ist kein Versehen, das hat System. Während der Konzern am schnellen Klick verdient, tragen Konsumenten das Risiko."
Greenpeace fordert daher, dass Online-Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden. Außerdem soll sich die Bundesregierung in der EU für ein rasches Verbot von PFAS in Textilien einsetzen.