Im Westflügel des Bahnhofs SBB in Basel sollte das kontroverse Kunstwerk "Saint or Sinner" ausgestellt werden. Es zeigt den an ein Kreuz geschnallten US-Präsidenten Donald Trump. Nach heftiger Kritik entschied sich die Galerie Gleis 4 aus Sicherheitsgründen, die Trump-Figur nicht im Bahnhof zu zeigen. Nun verkündet die Galerie, dass das äußerst umstrittene Kunstwerk doch in Basel zu sehen sein wird. Ab Allerheiligen wird "Saint or Sinner" in der Rümelinspassage ausgestellt.
"Es war immer klar, dass wir das Kunstwerk zeigen wollen", sagt Konrad Breznik gegenüber "Heute"-Partnermedium "20 Minuten". Aus Befürchtung vor Störungsaktionen habe man aber die Entscheidung gefällt, die Trump-Figur nicht am Bahnhof SBB auszustellen. "Die Leute haben sich darüber entrüstet, dass wir das Werk nicht zeigen", sagt der Galerist. Ihnen sei unterstellt worden, dass es sich nur um eine PR-Aktion gehandelt habe.
"Wir wollten aber unser Versprechen halten und das Werk in Basel zeigen", so Breznik. Die Lösung: Unter Schutzmaßnahmen, darunter eine Videoüberwachung, Sensoren in der Vitrine und mit Unterstützung durch Sicherheitsangestellte, wird die lebensgroße Figur in der Rümelinspassage ausgestellt.
Auch wenn die Trump-Figur nun an einem weniger bevölkerten Ort steht, bleibt das Werk des Londoner Künstlers Mason Storm äußerst umstritten. Ebenfalls für Kritik sorgen dürfte der Startschuss an Allerheiligen. Am christlichen Hochfest wird aller Heiligen gedacht. Dass die Figur, die Trump an ein Kreuz geschnallt zeigt, genau an einem christlichen Hochfest zur Schau gestellt wird, wirkt wohl auf viele Christen als Provokation.
Der Startschuss sei bewusst gewählt, erklärt Breznik. "Für viele Leute ist Trump entweder ein Heiliger oder ein Sünder", so Breznik. Es liege am Beobachter, Trump zu verurteilen oder eben nicht.
Auch der österreichische Bischof Hermann Glettler kritisierte das Werk gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur "kath.ch" scharf. Im Bericht sagt er, dass das Werk jede Achtsamkeit vor religiösen Symbolen verloren hat. "Oder möchte man die Machtgier des egomanen Dealmakers aus Washington noch mit dem zentralen christlichen Symbol steigern? Trump als Erlöser ans Kreuz geschnallt oder als Märtyrer in den orangen Klamotten eines Häftlings kurz vor der Hinrichtung?", so der Bischof.
Breznik sieht in der Kritik ein Phänomen der Zeit. "Heutzutage fühlen sich die Menschen in allem Möglichen sehr schnell provoziert", sagt der Galerist. Provokation entstehe immer in der Betrachtung des Selbst.