Im "High Performance Podcast" behauptet der frühere Ferrari-Teamchef, Schumi sei 1997 absichtlich ins Auto von Jacques Villeneuve gefahren. Auch beim Grand Prix von Monaco 2006 soll der Deutsche einen Fahrfehler nur vorgetäuscht haben. Das sorgt das für ordentlich Wirbel in der Motorsportwelt. Die Vorwürfe gegen Schumacher sind nicht neu, doch bisher wurden sie von ihm selbst und auch von Todt stets zurückgewiesen. Jetzt rudert Todt zurück.
Konkret geht es um das WM-Finale 1997 in Jerez. "Er ist absichtlich gegen ihn gecrasht, aber er hat es schlecht gemacht", sagt Todt über den folgenschweren Zusammenstoß mit Villeneuve. "Als er merkte, dass er die Meisterschaft verlieren würde, weil er vor Villeneuve stehen musste, lag er falsch. Er brauchte Unterstützung. Es war ein Fehlgriff, er war unnötig."
Diese Szene ist bis heute eine der umstrittensten in der Geschichte der Formel 1. Die FIA reagierte damals knallhart und strich Schumacher sämtliche WM-Punkte der Saison. Trotz der Kritik findet Todt auch lobende Worte: Schumacher sei "ein außergewöhnlicher Typ" gewesen. "Aber jedes Mal, wenn er die Kontrolle verlor, bezahlte er dafür sehr teuer."
Auch beim Qualifying 2006 in Monte Carlo geriet Schumi ins Kreuzfeuer der Kritik. Damals blieb er kurz vor Schluss in der Rascasse-Kurve stehen angeblich wegen eines Fahrfehlers. Für Fernando Alonso war das fatal: Er musste seine schnelle Runde abbrechen und verlor jede Chance auf die Pole-Position. Die FIA wertete das als absichtliches "Parkmanöver" Schumacher musste das Rennen vom letzten Platz starten.
Während seiner Zeit bei Ferrari hatte Todt seinen Schützling stets verteidigt. Nun klingt das anders. Gleichzeitig zeigt er aber Verständnis: "Es war einfach eine Emotion. Deshalb muss man bei der Beurteilung eines Sportlers in der Hitze des Gefechts sehr nachsichtig sein."
Willi Weber, Schumis langjähriger Manager, ist über Todts Aussagen entsetzt. Gegenüber dem "Express" sagt der 84-Jährige: "Da bin ich erstmal sprachlos. Warum sagt er sowas? Und dann auch noch in Michaels schwieriger Situation", meint Weber, mit Blick auf Schumachers schweren Skiunfall Ende 2013.
Weber stellt sich klar vor seinen ehemaligen Schützling und weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Wer Michael kennt, weiß, dass keine Absicht dahintersteckte", betont er zum Crash mit Villeneuve. "Das war ein hartes, aber nötiges Manöver, um seine Position und damit auch den möglichen Titel zu verteidigen. Da haben wir schon viel heftigere Manöver im WM-Kampf gesehen. Denken Sie nur an Ayrton Senna gegen Alain Prost."
Auch in Monaco 2006 sieht Weber keine Absicht. "Wo kommen wir denn hin, wenn auch ein siebenmaliger Weltmeister wie Michael keine Fehler mehr machen darf?" Er zweifelt an Todts Motiven: "Das ist so lange her und ausgiebig analysiert. Will er sich etwa nachträglich von etwas reinwaschen?"