"Unter ihm war es eine One-Man-Show", sagt Helmut Marko im "Zeit"-Interview über Dietrich Mateschitz. Der Red-Bull-Gründer habe die Geschicke des Unternehmens allein gelenkt und dabei ein außergewöhnliches Gespür bewiesen: "Dietrich konnte allein entscheiden, hatte Visionen, erkannte blitzschnell, was gut ist und was nicht."
Diese direkte Art der Führung sei heute Geschichte. "Jetzt gibt es bei Red Bull drei Geschäftsführer, die müssen reporten und dergleichen, es entspricht mehr einer üblichen Konzernspitze", so Marko.
Der Steirer hatte mit Ende der vergangenen Saison nach 20 Jahren seinen Rücktritt als Red-Bull-Motorsportberater bekanntgegeben. Der 82-Jährige gilt als großer Förderer der beiden späteren Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel und Max Verstappen, war maßgeblich am Erfolg des österreichisch-englischen Rennstalls beteiligt. Zuletzt verlor das Team aber immer schneller an Boden im Vergleich zur Konkurrenz.
Für Marko persönlich habe sich auch abseits der Rennstrecke viel geändert. Mit Mateschitz verband ihn nach eigenen Angaben eine enge Beziehung. "Mateschitz besaß ein wunderschönes Almhaus in den Bergen der Steiermark unweit des Red Bull Rings, da haben wir uns oft gesehen", erzählt Marko.
Mit der neuen Führungsstruktur rund um Oliver Mintzlaff sei diese Nähe nicht mehr vorhanden. "Red Bull ist in eine neue Ära eingetreten, die Nachfolger von Dietrich Mateschitz haben mit ihrer Art der Geschäftsführung begonnen", erklärt der Steirer.
Seinen Abschied aus der Formel 1 kündigte Marko schließlich selbst an. "Ich bin auf den neuen Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zugegangen und habe gesagt: 'Du, ich höre auf'", berichtet er. Die Entscheidung habe auch mit seiner eigenen Einstellung zu tun: "Für den Job, den ich gemacht habe, brauchst du Leidenschaft, du musst brennen. Wenn du das nicht mehr spürst, wird es mühsam."
Offiziell nennt Marko jedoch vor allem sportliche Gründe. "Dass wir 2025 die Weltmeisterschaft nicht gewonnen haben. Daraus wollte ich für mich die Konsequenzen ziehen", sagt er.
Besonders schmerzhaft sei die verpasste Chance auf einen historischen Erfolg gewesen: "Es wäre für uns die fünfte Weltmeisterschaft in Folge gewesen, das hat nur Michael Schumacher bei Ferrari geschafft. Es war schon eine Riesenenttäuschung."