Schock sitzt tief

Schwuler umgebracht – nun wächst Angst in Gay-Community

Nach dem mutmaßlichen Mord an einem Mann (29) sitzt der Schock tief. Nun wächst in der Wiener Gay-Community die Angst vor Treffen mit Unbekannten.
Maxim Zdziarski
07.08.2026, 19:24
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Aus einem vermeintlich harmlosen Kennenlernen wurde eine tödliche Falle. Der 29-jährige Wiener hatte den später tatverdächtigen 18-Jährigen über soziale Medien kennengelernt und sich mit ihm in Langenzersdorf getroffen. Dort verlor er sein Leben. Der 18-Jährige hat die Tat laut Polizei bereits gestanden. Das furchtbare Motiv soll Hass auf homosexuelle Männer gewesen sein. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Während die Ermittlungen auf Hochtouren laufen, hinterlässt der Fall vor allem in der Wiener Gay-Community tiefe Verunsicherung. Viele fragen sich nun, ob ein Treffen mit einer Online-Bekanntschaft überhaupt noch sicher ist.

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Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe

Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555

Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247

Rat auf Draht: 147

Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20

Polizei-Notruf: 133

"Das verändert alles"

"Heute" sprach mit einem Mann aus der Schwulen-Szene, der das Opfer persönlich kannte. Er möchte anonym bleiben. "Wir kannten uns vom Fortgehen und hatten immer wieder Kontakt. Er war überhaupt kein leichtsinniger Mensch", erzählt der Wiener. Gerade deshalb könne er das Geschehene nicht begreifen.

"Er hat nicht nach schnellen Abenteuern gesucht. Er wollte jemanden kennenlernen, eine ernsthafte Beziehung aufbauen. Er war vorsichtig – und trotzdem ist ihm das passiert."

Für den Wiener habe die Tat das Sicherheitsgefühl innerhalb der Community nachhaltig verändert. "Gestern hätte ich mir bei einem Treffen mit einer Online-Bekanntschaft nichts gedacht. Heute würde ich mir das zweimal überlegen."

Vertrauen erschüttert

Dating-Apps und soziale Netzwerke gehören für viele homosexuelle Männer zum Alltag. Nicht selten entstehen daraus Freundschaften oder Beziehungen. Genau deshalb sei die Verunsicherung nun so groß.

Besonders tragisch sei, dass ausgerechnet ein Mensch zum Opfer wurde, den viele als freundlich, offen und lebenslustig in Erinnerung haben. Der 29-Jährige war auch auf TikTok bekannt und erreichte mit seinen Videos tausende Follower. "Der Schock sitzt extrem tief. Ich habe mit mehreren Freunden gesprochen – niemand kann fassen, dass so etwas passiert ist. Viele haben jetzt einfach Angst."

HOSI Wien schlägt Alarm

Auch die HOSI Wien zeigt sich tief erschüttert. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand soll der tatverdächtige 18-Jährige der sogenannten "Pedo-Hunter"-Szene zugerechnet werden.

Die Organisation warnt seit Längerem vor einer zunehmenden Radikalisierung und vor der gefährlichen Gleichsetzung homosexueller Menschen mit Pädophilie. Bereits im vergangenen Jahr wurden mehrere mutmaßliche Täter aus diesem Umfeld wegen schwerer Übergriffe auf LGBTIQ-Personen ausgeforscht.

Für viele in der Community ist der Fall deshalb weit mehr als ein einzelnes Gewaltverbrechen. Er hat ein Gefühl zurückgebracht, das viele längst überwunden glaubten: die Angst davor, wegen der eigenen sexuellen Orientierung zum Ziel von Hass und Gewalt zu werden.

{title && {title} } zdz, {title && {title} } 07.08.2026, 19:24