Mit 90 Prozent Sehbehinderung ist der Alltag für Valentina D. in vielen Bereichen eine Herausforderung. Zuhause hat sie Unterstützung von ihrer Mutter und ihrem Bruder, Behördengänge bedeuten immer einen großen Aufwand.
Im November 2025 stellte sie einen Antrag auf ein Wohnticket bei Wiener Wohnen, um aus ihrer Dachgeschosswohnung ohne Aufzug ausziehen zu können. "Ich brauche immer sehr viel Hilfe, außerdem läuft mein befristeter Vertrag 2028 aus und wir haben ein Schimmelproblem."
"Ich habe genau geschaut, was man alles einreichen muss und gesehen, dass ich ein ärztliches Attest brauche." Die Wienerin ging laut eigenen Angaben zum Facharzt in ein Augenzentrum, holte das gewünschte Attest und reichte es ein. "Dann erhielt ich eine Nachricht, dass das Attest nicht ausreichend wäre. Ich sollte noch zu einem anderen Augenarzt."
Valentina D. vereinbarte einen weiteren Termin und reichte auch dieses Attest nach. "Es hat etwas gedauert, weil man innerhalb eines Quartals nicht zu zwei verschiedenen Augenärzten gehen kann", erinnert sie sich. Auf Nachfrage, wie sie es nachreichen kann, erhielt sie die Auskunft, dass online ein Fragebogen auszufüllen sei – auch das machte die 33-jährige.
"Ich habe eine Mail mit der Rückmeldung bekommen, dass es angekommen ist." Dann hörte Valentina D. länger nichts von Wiener Wohnen, wie sie sagt. "Ich habe öfter angerufen, ob alles in Ordnung ist, aber es hieß stets, es sei in Bearbeitung." Die Monate vergingen. "Im Mai hieß es nach einem Anruf wieder, man wisse nicht, wo das Problem liege, warum es so lange dauert." Die Wienerin ließ sich schließlich einen Termin geben – Ende August.
Doch am Tag des Termins der Schock: "Ich bin dort hingekommen mit allen Unterlagen. Die Dame wollte mich gleich abspeisen und meinte, sie haben nun ein neues System und ich muss mich komplett neu anmelden", erinnert sich die Betroffene. "Nach dem neuen Punktesystem würde meine Behinderung auch nicht mehr ausreichen und ich hätte rein aufgrund dessen kein Anspruch mehr auf ein Wohnticket." Sie könne sich erneut anmelden, so die Dame am Schalter.
Aufgrund ihrer Sehbehinderung bat Valentina D. die Mitarbeiterin, ihr zu helfen: "Ich habe gesagt, ich bin doch jetzt schon hier, mit all meinen Unterlagen. Aber sie hat nur geantwortet, dass sie keine Zeit habe und das nicht ihr Aufgabenbereich sei." Die wütende Kundin weigerte sich schließlich, wieder zu gehen. "Ich habe gesagt, ich geh nicht mehr weg. Mein Antrag wurde im November gestellt, ich habe alle Aufgaben erfüllt und bin mit einer Sehbehinderung von 90 Prozent von Floridsdorf in den dritten Bezirk gefahren."
Nach einer hitzigen Diskussion und dem Erscheinen der Geschäftsleitung weigerte sich Valentina D. weiterhin zu gehen – bis die Security-Mitarbeiter gerufen wurden. "Ich habe das Haus dann verlassen aber ich sehe es einfach nicht ein", ärgert sie sich immer noch. "Meine 12-jährige Tochter saß daneben und bekam das alles mit."
"Heute" fragte bei Wiener Wohnen an – kurz darauf die gute Nachricht: Valentina D. hat ihr Wohnticket erhalten und ist überglücklich: "Danke!" "Das Ansuchen wurde mittlerweile im neuen System verarbeitet", bestätigt man bei Wiener Wohnen. "Die Kundin verfügt dort nun über ein gültiges Wohnticket. Ein Registrierungscode, mit dem sie sich im neuen System schnell und unkompliziert anmelden kann, wurde bereits mit der Post versendet." Zudem sei der Kundin angeboten worden, sich bei weiteren Fragen persönlich und ohne Termin bei der Wohnberatung Wien beraten zu lassen.