Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj geht in die nächste Runde. Dennoch gibt sich Selenskyj zuversichtlich, dass es schon bald zu einem neuen Treffen zwischen Vertretern beider Länder kommen wird.
"Wir führen Gespräche mit dem amerikanischen Verhandlungsteam. Ich weiß, dass unser Team in ständigem Kontakt mit ihnen steht", erklärte Selenskyj laut ntv am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Ob er dabei persönlich auf Trump treffen wird, ließ er offen.
Auf die jüngste Kritik des US-Präsidenten reagierte Selenskyj mit einer deutlichen Ansage. "Ist es schwieriger, mit mir umzugehen als mit Putin? Nun, mir fällt es leichter, mit ihm umzugehen als mit Putin", konterte der ukrainische Staatschef.
Er habe Trump bereits mehrfach getroffen. Dabei habe man stets Themen gefunden, über die gesprochen und entschieden werden konnte. Gleichzeitig stellte Selenskyj klar, dass für ihn ausschließlich die Interessen seines Landes zählen.
"Wir werden angegriffen, wir werden besetzt, unsere Menschen werden umgebracht", betonte der Präsident.
Auf die Frage, ob Trump ihn angesichts des US-Krieges gegen den Iran und der hohen Spritpreise vor den Midterm-Wahlen zum Sündenbock machen wolle, reagierte Selenskyj lediglich mit einem Lächeln. "Das ist meine Antwort", sagte er.
Für zusätzlichen Zündstoff sorgt Trumps Vorgehen gegenüber Kremlchef Wladimir Putin. Selenskyj erklärte, dass er weder über einen Diesel-Deal zwischen Trump und Putin noch über die Aussetzung von Sanktionen vorab informiert worden sei.
Rückendeckung erhielt der ukrainische Präsident hingegen von den europäischen Staats- und Regierungschefs. Beim EU-Gipfel habe er "Unterstützung und nur Unterstützung" erfahren. Die europäischen Partner würden die Position der Ukraine verstehen.
Neben dem Streit mit Trump stand beim EU-Gipfel auch die finanzielle Zukunft der Ukraine im Mittelpunkt. Selenskyj forderte für das kommende Jahr zusätzliche 70 Milliarden Euro von der Europäischen Union.
Das Geld werde "für die Verteidigung, für Waffen und für unsere Widerstandsfähigkeit" benötigt, erklärte er in einer auf X veröffentlichten Rede.
Die finanzielle Lage der Ukraine bleibt angespannt. Laut Finanzminister Serhij Martschenko fehlen im regulären Staatshaushalt rund 29,1 Milliarden Euro. Dazu kommt eine Finanzierungslücke von rund 45 Milliarden US-Dollar bei den Verteidigungsausgaben.
Auch bei der militärischen Unterstützung durch die USA hofft Selenskyj auf Bewegung. Hintergrund ist die vorübergehende Drosselung des militärisch genutzten Satelliteninternets in der Ukraine.
Sein Verteidigungsministerium stehe bereits mit der amerikanischen Seite in Kontakt. Laut Selenskyj gebe es Signale aus dem Weißen Haus, dass die eingeschränkten Kapazitäten wiederhergestellt werden könnten.