"Vier Staaten fehlen"

Selenskyj träumt von EU als "stärkster Union der Welt"

In einem Interview zeichnet Ukraines Präsident eine Zukunftsvision seines Landes in der EU. Gleichzeitig bereiten ihm Putins Internet-Sperren Sorgen.
Newsdesk Heute
21.04.2026, 10:31
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Klare Worte aus Kyjiw: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit "United News" seine Vision für Europas Zukunft dargelegt – und dabei auch brisante Einschätzungen zur Lage in Russland und im Nahen Osten geliefert.

Ein EU-Beitritt der Ukraine steht für ihn außer Frage: "Wir wollen in die Europäische Union. Und ich bin überzeugt, dass wir dort sein werden, sofern einige Vertreter der EU keine Fehler machen." Die Ukraine stärke schon jetzt die EU sicherheitspolitisch – "und Sicherheit hat heute für alle oberste Priorität."

Doch Selenskyj denkt noch größer. Er sieht eine erweiterte Union als Schlüssel zur globalen Stärke: "Norwegen, Ukraine, Vereinigtes Königreich und Türkei. Das sind vier Länder, die der Europäischen Union fehlen." Vor allem militärisch sei das entscheidend: "Die Türkei und die Ukraine zusammen übertreffen Russlands Armee – von der Kontrolle des Schwarzen Meeres bis zur Kontrolle des Luftraums."

Auch wenn es dabei bekannte politische Hürden gibt, bleibt er überzeugt: "Diese vier Länder würden die Europäische Union zur stärksten Union der Welt machen."

Vollständige Mobilmachung?

Scharfe Kritik kommt auch mit Blick nach Moskau. Die Einschränkungen sozialer Medien hätten laut Selenskyj einen klaren Zweck: "Es geht nicht darum, Kritik an Putin einzudämmen. Das eigentliche Ziel besteht darin, Unruhen zu verhindern."

Er fürchtet, dass das ein Vorzeichen einer umfassenden Mobilmachung sein könnten: "Niemand in Russland würde eine Mobilisierung in diesem Ausmaß akzeptieren."

Derzeit werde diese laut ihm verschleiert: "Die Mobilisierung wird als Vertragsdienst getarnt. Doch um die Armee um weitere ein bis eineinhalb Millionen Soldaten aufzustocken, bräuchte es eine vollständige Mobilmachung." Alles andere wäre zu kostspielig. Das Ziel dahinter sei klar: "Entweder eine neue große Offensive gegen die Ukraine – oder mehrere kleinere Angriffe gleichzeitig."

"Russland steckt in großen Schwierigkeiten"

Auch wirtschaftlich sieht Selenskyj Russland unter Druck: "Russland steckt in großen Schwierigkeiten mit seiner Wirtschaft. Ein Budgetdefizit von 100 Milliarden Dollar lässt sich nicht durch einen kurzen Krieg im Nahen Osten ausgleichen." Bisher habe der Kreml nur einen Bruchteil durch die gestiegenen Ölpreise kompensieren können – auch dank ukrainischer Angriffe auf die Export-Infrastruktur für russisches Öl.

Besorgt zeigt sich der Präsident zudem über die geopolitischen Folgen eines Iran-Kriegs: "Der Krieg im Iran stärkt Russland, erschöpft die Vereinigten Staaten und leert Europas Energiereserven." Das könne weitreichende Folgen haben: "Es wird zu breiterer Aggression führen  – nicht nur im Nahen Osten." Auch die Ukraine ist direkt davon betroffen, weil ihr Zugang zu notwendigen Luftabwehrsystemen weiter eingeschränkt wird.

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.04.2026, 10:31
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