Spiele-Test

"Sensory Overload" – Diese Kamera macht dich fertig

Ein Tunnel, ständig wechselnde Bilder und immer weniger Orientierung: "Sensory Overload" macht aus der Perspektive den härtesten Gegner.
Rene Findenig
20.08.2026, 16:27
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Du fällst. Vor dir liegt ein Tunnel, Hindernisse kommen auf dich zu, und eigentlich wäre die Aufgabe simpel: ausweichen, weiterkommen, Punkte sammeln. Doch dann beginnt sich die Umgebung zu verändern. Die Wände bewegen sich, Farben verschieben sich, die Perspektive gerät ins Wanken. Plötzlich ist nicht mehr das Hindernis das größte Problem, sondern die Frage, wo oben, unten, links und rechts überhaupt noch sind. Genau daraus macht Pancake Studios das komplette Spielprinzip von "Sensory Overload". Der Titel verbindet ein klassisches Fall-und-Ausweich-Spiel mit einer verstörenden visuellen Inszenierung.

Gespielt wird aus der Ego-Perspektive. Dadurch sitzt du mitten im Geschehen und kannst den Blick nicht einfach von der Action lösen. In "Sensory Overload" für PC auf Steam gehört die Perspektive zum eigentlichen Spiel. Während der Tunnel immer schneller wird, verändern sich die visuellen Eindrücke. Farben wechseln, Muster bewegen sich und die Wände scheinen sich regelrecht zu verformen. Das führt dazu, dass du Hindernisse nicht nur rechtzeitig erkennen musst. Du musst gleichzeitig deine Orientierung behalten. Manchmal siehst du schlicht nicht mehr so eindeutig, wo du dich im Raum befindest.

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Ein Game für alle, die "anstrengende" Spiele mögen

Die Unsicherheit macht die kurzen Spielabschnitte "anstrengender", als es das einfache Grundprinzip zunächst vermuten lässt. Die Entwickler haben die Level sogar nach den Reaktionen benannt, die sie auslösen sollen. Dazu gehören unter anderem "Vertigo", "Nausea", "Peristalsis" und "Apocalypse". Die Namen sind dabei ziemlich eindeutig und der Titel der Albtraum eines jeden Epileptikers. Warum man sich das eigentlich antun sollte? Keine Ahnung. Ob das Spaß macht? Nicht wirklich. Und dennoch erwischt man sich dabei, dass man die Level einfach irgendwie schaffen will, aus welchem Grund auch immer.

Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Du bewegst dich durch einen Tunnel und weichst Hindernissen aus. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Aufgabe schwieriger. Das Spiel braucht dafür keine komplizierten Regeln. Es reicht, die Umgebung selbst ständig zu verändern. Genau das funktioniert überraschend effektiv, weil du dich nicht einfach auf ein festes Muster einstellen kannst. Besonders auffällig ist dabei die Verbindung zwischen Musik und Bild. Bei erfolgreichen Läufen können sich die Farben an den Rhythmus der Musik anpassen. Dadurch entsteht für kurze Momente ein geschlossenes Zusammenspiel aus Bewegung, Ton und Bild.

Drei Spielarten für unterschiedliche Nerven

"Sensory Overload" bietet drei unterschiedliche Zugänge. Im normalen Modus geht es darum, einen Lauf zu überstehen und dabei Punkte zu sammeln. Der Ranked-Modus richtet sich stärker an Spieler, die sich mit anderen messen wollen. Hier steigt die Herausforderung weiter an, während Online-Ranglisten für zusätzlichen Anreiz sorgen. Interessanter ist für mich aber der Zen-Modus. Hier gibt es weder Punkte noch Tod. Du kannst die Umgebung erleben, ohne dass ein Fehler sofort das Ende des Laufs bedeutet. Dazu kommt ein Übungsmodus, in dem eigene Checkpoints gesetzt werden können.

Außerdem gibt es einen Level-Editor, mit dem eigene Strecken erstellt und Community-Inhalte gespielt werden können. Bei einem Titel, dessen zentrale Idee auf visueller Überforderung basiert, sind die verfügbaren Anpassungsmöglichkeiten besonders relevant. So lassen sich die Speed-Lines deaktivieren. Auch das Fadenkreuz kann angepasst werden. Farbe, Größe und Stärke lassen sich verändern, außerdem stehen zusätzliche Formen zur Verfügung. Noch wichtiger sind die Einstellungen für die Hindernisse. Ihre Umrisse können in ihrer Helligkeit und Stärke angepasst werden. Dadurch lassen sich die Konturen vom restlichen Bild abheben.

Hier ist Vorsicht wirklich angebracht

Auch der Schwierigkeitsgrad lässt sich anpassen. Zusätzlich werden Tastatur-only- und Maus-only-Steuerung unterstützt. Für Steam Deck ist ebenfalls Unterstützung angegeben. Bei einem normalen Spiel würde man eine Warnung vor Bewegungsproblemen vielleicht als Nebensatz abtun. Bei "Sensory Overload" gehört sie aber zum Spielprinzip. Die visuelle Gestaltung ist darauf ausgelegt, die Orientierung zu stören. Wer empfindlich auf schnelle Bewegungen, Drehungen oder ähnliche Effekte reagiert, sollte entsprechend vorsichtig einsteigen. Der Zen-Modus ist dafür die naheliegende Möglichkeit, sich an das Spiel heranzutasten.

Auch das Abschalten der Speed-Lines kann helfen. Vor allem sollte man nicht versuchen, sich durch Beschwerden hindurchzuspielen. Wenn die Augen oder der Kopf bereits reagieren, ist eine Pause sinnvoller als der nächste Versuch. Gleichzeitig bedeutet es, dass "Sensory Overload" nicht für jeden Spieler gleich gut geeignet ist. Grafisch setzt "Sensory Overload" auf eine sehr simple Optik. Die Darstellung lebt von geometrischen Formen, Farben, Bewegungen und starken visuellen Veränderungen. Technisch fällt außerdem auf, dass die Hardware-Anforderungen niedrig angesetzt sind.

Warum sollte man sich das nochmal antun?

"Sensory Overload" ist kein Spiel, das dich mit einer großen Geschichte, Charakteren oder einer Kampagne über viele Stunden fesseln will. Gleichzeitig stellt sich die Frage, worin der Reiz überhaupt bestehen soll, dieses Game zu spielen. Klar, es gibt ein paar kleine Motivationen, etwa ein Level überhaupt zu schaffen oder einen Höchstpunktestand im Ranked-Modus zu erzielen. Der Level-Editor und die Community-Inhalte können ebenfalls für zusätzliche Beschäftigung sorgen. Trotzdem bleibt die Grundidee fragwürdig. Wer das Prinzip eines Angriffs auf den Gleichgewichtssinn nicht versteht, wird es auch nach dem Anspielen nicht tun.

Der Titel ist wohl am ehesten ein konzentriertes Experiment mit einer einfachen Spielidee, das seine Wirkung fast ausschließlich über die Wahrnehmung erzeugen will. Wenn du genau diese Herausforderung suchst, hat das Spiel vielleicht ein Publikum gefunden. Wenn du viel Spaß, eine gute Kampagne oder viel Abwechslung erwartest, bist du hier dagegen falsch. Positiv sind die drei Spielmodi, der Übungsmodus und der Level-Editor – und auch technisch gibt es nichts zu bemängeln. Worin der Spaß des Spielprinzips liegen soll, erschließt sich uns allerdings auch nach dem Test nicht. Ziemlich sicher sind wir aber auch die falsche Zielgruppe dafür.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 20.08.2026, 16:27