Vom Schlafzimmer über die Küche bis ins Badezimmer: In Aleksandars Wohnung ist der Schimmel allgegenwärtig. Seit 2017 lebt die vierköpfige Familie im Gemeindebau am Handelskai 214 – ebenso lange kämpft sie bereits gegen den Befall.
"Der Schimmel kommt immer wieder. Im Winter stehen bei uns drei Luftentfeuchter, alle zwei Tage sind die Behälter voll", erzählt der 29-Jährige. Er und seine Schwester (23) schlafen in Zimmern mit sichtbarem Schimmel. "Wir haben keine andere Wahl, es gibt keine Alternativen", sagen sie. Die Familie ist kein Einzelfall: Mehrere Mieter berichten von denselben Problemen.
Zwei Stockwerke weiter zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort lebt eine Alleinerzieherin mit fünf Kindern, die Badezimmerdecke ist vollständig von Schwarzschimmel überzogen. Auch bei Vedat Göksu breitet sich der Befall aus – das Kinderzimmer ist derzeit unbenutzbar. Seine Frau und viele andere Mieter klagen über Kopfschmerzen und Atembeschwerden. Göksu selbst war erst vor einiger Zeit an Lungenkrebs erkrankt.
"Ich will gesund leben. Wir haben alle das Recht auf eine saubere Wohnung", sagt Göksu. Der 53-Jährige hat begonnen, die Bewohner im Karlheinz-Hora-Hof zu mobilisieren und eine unabhängige Mieterinitiative aufzubauen. "Wir haben etwa 1.000 Wohnungen kontaktiert und rund 400 erreicht. Von ihnen kämpfen etwa 40 Prozent mit Schimmel – manche schon seit 2012", so Göksu.
Bei Wiener Wohnen hätten sich die Mieter mehrfach gemeldet. "Oft heißt es, wir hätten nicht richtig gelüftet. Das stimmt so einfach nicht", sagt Aleksandar. Göksu und weitere Bewohner beauftragten deshalb auf eigene Kosten einen Gutachter, der Schwarzschimmel bestätigte und zudem Mängel in der Bausubstanz vermutet.
"Ich habe einen Anwalt eingeschaltet, Klagen werden vorbereitet. Erste Rückforderungen konnten bereits durchgesetzt werden", berichtet Göksu. Rund 20 Wohnungen haben die Miete inzwischen eigenmächtig auf 70 Prozent reduziert. Ein Auszug ist für viele keine Option. "Die Leute sind froh, überhaupt leistbaren Wohnraum zu haben. Viele fürchten, ihre Wohnung zu verlieren, wenn sie sich beschweren", sagt Göksu. Sein Ziel: eine umfassende Sanierung erwirken – im Namen aller Betroffenen.
Politischer Rückenwind kommt von der KPÖ. Gemeinsam mit der Mieterinitiative habe man Haustürgespräche geführt. "Wiener Wohnen und damit die Stadt Wien handeln hier gemeingefährlich. Dass offensichtlich gröbere Probleme der Bausubstanz hier über lange Zeit ignoriert werden, während Menschen im giftigen Schimmel leben müssen, grenzt an kriminelles Verhalten", so Max Veulliet, Sprecher der KPÖ Leopoldstadt.
Sophie Apfler, Klubobfrau der KPÖ Leopoldstadt, ergänzt: "Gut, dass sich die Mieterinnen und Mieter jetzt zusammentun und sich wehren. Kinder bekommen durch die Schimmelbelastung Asthma und Allergien und die Stadt schaut weg. Das geht so nicht."
Wiener Wohnen erklärt gegenüber "Heute", dass man Meldungen über Schimmel in Wohnungen sehr ernst nehme. "Wenn Mängel gemeldet werden, die in die Erhaltungspflicht des Vermieters fallen, werden diese auch so rasch wie möglich behoben." Die Anlage am Handelskai 214 umfasst insgesamt 1.043 Wohnungen. 55 Meldungen zu Schimmelherausforderungen wurden eingebracht, die insgesamt 20 Wohnungen betreffen, erklärt Wiener Wohnen.
"Bautechniker führten bereits Begehungstermine durch. Entsprechend den Ergebnissen veranlassten bzw. veranlassen die zuständigen Stellen geeignete Behebungsmaßnahmen", heißt es von Wiener Wohnen. In 80 Prozent der Fälle sei die Schimmelbildung auf ein nicht optimales Wohnklima mit zu hoher Luftfeuchtigkeit in den Räumen zurückzuführen. "Ungeachtet davon übernimmt Wiener Wohnen in der Regel die Kosten für eine erste Beseitigung des Schimmelbefalls", wird betont.