Im Eingangsbereich liegen alte Sitzgarnituren, Glasscherben sind über den Boden verstreut, Müllsäcke türmen sich in der Ecke. Ein alter Kratzbaum für Katzen steht bei einer Mülltonne – obwohl er dort nicht hingehört. Das Bild, das sich im Gemeindebau Wienerbergstraße 16-20 (Wien-Meidling) zeigt, bringt die Bewohner auf die Palme.
"Ich bin wirklich verärgert und ich bin nicht der Einzige. Das ist eine Zumutung", erklärt Bewohner Walter H. Der 51-Jährige lebt seit 2009 in der Wohnhausanlage. Seit wenigen Monaten habe sich die Lage dort verändert, berichtet er. "Die Leute stellen ihr Sperrgut vor die Mistkübel oder ins Stiegenhaus. Dort bleiben es wochenlang liegen – bis sich jemand aufregt." Dann werde der Sperrmüll auf Kosten der Bewohner entfernt.
Sogar eine halbe Wohnungseinrichtung habe er dort bereits gesehen, so der Security-Mitarbeiter. "Es stört mich, dass der ganze Restmüll dann einfach dazugestellt wird, weil man teilweise nicht mal mehr zu den Tonnen kommt. Die Anlage verkommt zunehmend zur Müllhalde. Nicht nur der Gestank ist unerträglich, sondern auch die hygienischen Zustände sind besorgniserregend."
Mittlerweile ziehe der Unrat sogar Ratten an. "Besonders betroffen sind Familien mit Kindern sowie ältere Menschen. Neben der optischen Verwahrlosung steigt auch die Sorge um die Gesundheit. Ungezieferbefall, Verletzungsgefahr durch herumliegenden Sperrmüll und mögliche Schadstoffe stellen ein Risiko dar."
Das Vorgehen bleibe ohne Konsequenzen, die Bewohner fühlen sich im Stich gelassen, kritisiert der Wiener, der mittlerweile eine Unterschriftenaktion gestartet hat. Aber: "Die Zettel wurden einfach vom Schwarzen Brett gerissen." Seine Forderungen: das Errichten eines Müllraumes oder "zumindest einer Einzäunung", häufigere Kontrollen, konsequente Strafen für Verursacher und bestenfalls eine punktuelle Videoüberwachung. Zudem wünscht sich der Mieter präventive Maßnahmen wie verstärkte Aufklärung und bessere Entsorgungsmöglichkeiten.
"Wir nehmen Hinweise von Bewohnern zu Verschmutzungen oder möglichen Missständen im Wohnumfeld sehr ernst und gehen solchen Meldungen nach", heißt es dazu von der Hausverwaltung Wiener Wohnen. "Die zuständige Kundenmanagerin war vor Ort. Dabei konnten keine besonderen Missstände festgestellt werden; auch Hinweise auf eine Rattenplage liegen derzeit nicht vor. Bekannt ist, dass es fallweise zu unerlaubten Sperrmüllablagerungen kommt – eine Entrümpelung wurde zuletzt erst Mitte März beauftragt."
Eine Einzäunung der Müllplätze sei aktuell nicht vorgesehen. In der Wohnhausanlage gibt es insgesamt bereits fünf Müllplätze. "Derartige bauliche Maßnahmen sind mit hohen Kosten verbunden und müssen wirtschaftlich vertretbar sein." Auch eine Videoüberwachung sei nicht angedacht, ein Pilotprojekt dazu habe kaum eine Verbesserung gebracht.
"Wiener Wohnen setzt alles daran, die Wohnhausanlagen mit großem personellem und finanziellem Aufwand sauber und ordentlich zu halten. Auf Dauer kann das aber nur gelingen, wenn auch alle Bewohner verantwortungsvoll mit den Allgemeinflächen umgehen und ihren Müll ordnungsgemäß entsorgen", so eine Sprecherin von Wiener Wohnen.