Am 27. Februar 1996 brachte der japanische Spieleentwickler Satoshi Tajiri die ersten Pokémon-Spiele für den Nintendo Game Boy heraus. Was als Sammelleidenschaft für kleine Monster begann, wurde zum weltweiten Milliardenphänomen – und hat sogar die echte Wissenschaft nachhaltig geprägt.
"Pokémon hat meine Vorstellung davon beeinflusst, was Tiere und Naturgeschichte sind – fast bevor ich wusste, wie echte Tiere in der realen Welt aussehen", sagt Arjan Mann, Kurator für fossile Fische am Field Museum in Chicago.
Wie "spektrum.de" berichtet, sprach das Fachmagazin "Nature" anlässlich des 30. Jubiläums mit Forschenden aus aller Welt darüber, wie ihre Arbeit durch das Spiel geprägt wurde. Die Ergebnisse sind überraschend vielfältig.
Spencer Monckton von der University of Guelph in Kanada sieht deutliche Parallelen zwischen dem Spielprinzip und seinem Beruf. Das Sammeln von Pokémon sei "gewissermaßen das, was ein Entomologe tut: Man versucht, sie alle zu schnappen". Das Ordnen der Kreaturen nach Merkmalen und Fähigkeiten entspreche genau der Arbeit eines Taxonomen.
Mittlerweile gibt es 1.025 verschiedene Pokémon – ein enormer Zuwachs gegenüber den 151 Exemplaren der ersten Spiele. Dutzende davon sind nach echten Tieren benannt und umgekehrt tragen einige reale Tierarten Namen, die an Pokémon angelehnt sind. Das Pokémon Aerodactyl etwa basiert auf fliegenden Reptilien, den Pterosauriern.
Der Entomologe Matan Shelomi von der National Taiwan University nutzt Pokémon sogar, um unseriöse Wissenschaftsverlage zu entlarven. Seit 2019 reicht er gefälschte Artikel mit erfundenen Co-Autoren wie Professor Samuel Oak bei dubiosen Fachzeitschriften ein. Mehrere davon wurden tatsächlich publiziert – ein Beleg dafür, dass diese Journale keinen echten Begutachtungsprozess haben.
Ab dem 22. Mai 2026 können Besucher im Field Museum in Chicago eine Ausstellung erleben, die Pokémon und die realen Fossilien zeigt, auf denen sie basieren. 30 Jahre nach dem Start ist eines klar: Die kleinen Monster haben weit mehr bewirkt als nur Unterhaltung.