Bis zu 74 Tage lang mussten Pflegebedürftige in Wien zuletzt auf eine Entscheidung zum Pflegegeld warten – damit ist die Bundeshauptstadt österreichweit trauriger Spitzenreiter. Das zeigt eine aktuelle parlamentarische Anfragebeantwortung von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ), die vom Grünen Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner eingebracht wurde.
"Verfahrensdauern über zwei Monate sind schlicht zu lange, besonders in dieser vulnerablen Lebensphase, wo es eigentlich schnell Klarheit braucht", kritisiert Schallmeiner gegenüber der APA. Neben Wien zeigt auch Oberösterreich mit 64 Tagen lange Wartezeiten, am schnellsten geht es im Burgenland mit rund 45 Tagen.
Doch nicht nur die Dauer der Verfahren sorgt für Ärger. Auch die Zahl der Rückstufungen – also Herabstufungen in eine niedrigere Pflegestufe – ist deutlich gestiegen. Während 2019 noch 10,2 von 1.000 Beziehern betroffen waren, waren es 2025 bereits 12,8 – ein Anstieg um 44Prozent.
Auffällig: 96Prozent aller Rückstufungen basieren auf ärztlichen Gutachten, während sie bei Begutachtungen durch Pflegekräfte kaum vorkommen. Für Schallmeiner ein Warnsignal: "Seit 2022 steigt die Zahl der Rückstufungen beim Pflegegeld deutlich schneller als die Zahl der Pflegegeldbezieher:innen insgesamt. Dieser Trend ist besorgniserregend und wirft die Frage auf, was sich im System verändert hat."
Die Grünen fordern nun rasche Reformen, mehr Transparenz und eine größere Rolle für Pflegeexpertinnen und -experten – damit Betroffene nicht länger im Ungewissen bleiben.