In der Jugend jagen wir dem schnellen Kick hinterher, im Alter finden wir innere Ruhe. Dass sich unser Glücksempfinden über die Lebensphasen verändert, ist kein Zufall - dahinter steckt Neurobiologie.
Der deutsche Mediziner und Glücksforscher Tobias Esch erklärt, warum in jeder Lebensphase ein anderer Cocktail aus Botenstoffen unser Belohnungssystem steuert.
Wie Spektrum.de berichtet, unterscheidet die Neurobiologie drei Formen des Glücks. In jungen Jahren dominiert das dopamingetriebene "Vorfreude-Glück" - der schnelle Rausch nach Erfolgen, der aber rasch wieder verfliegt.
Mit dem Alter verändert sich das Glücksrezept im Gehirn. Während der Mittelteil des Lebens oft von Stress geprägt ist, bringt das Alter etwas, das Forscher "Eudaimonie" nennen - eine tiefe Zufriedenheit, die von innen kommt und keinen Applaus braucht.
Diese Form der Alterszufriedenheit geht mit höheren Leveln an Botenstoffen wie Oxytocin und Serotonin einher. Das erklärt auch das sogenannte "Zufriedenheitsparadox": Warum Menschen im Alter oft glücklicher sind, obwohl es mit Karriere und Gesundheit bergab geht.
Laut Esch ist unser Glücksempfinden aber nicht nur vom Alter abhängig. Manche Menschen bauen Dopamin schneller ab als andere - ihnen fällt Vorfreude tendenziell schwerer. Doch die gute Nachricht: Auch große Krisen können langfristig zum Glück beitragen.
Der Wiener Psychiater Viktor Frankl, der vier Konzentrationslager überlebte, gilt als Beispiel für diese Erkenntnis. Laut Esch kann echte Sinnfindung nach schweren Erfahrungen zu besonders tiefer Zufriedenheit führen.